Kindergeburtstag

13. Geburtstag

Oft sind meine Mitmenschen hier atemberaubend spontan und brauchen für einiges viel weniger Vorlaufzeit. Und dann bestätigen die Ausnahmen die Regel: Die erste Einladung zu einer Kindergeburtstagsfeier für die Kleinste kam am 8. März. Ich habe mich erst einmal erschrocken, weil ich nur das Datum „7.“ sah und dachte, dass die Einladung vielleicht eine Weile im Schulranzen gewohnt hat und die Party schon vorbei ist. Aber beim genaueren Hinsehen sah ich den Monat: Mai! Zwei Monate im Voraus einzuladen ist ja selbst für Deutsche eine Leistung. Der Geburtstag war dann auch ziemlich besonders. Jeder kam, wann er wollte. Gefeiert wurde in einer Art sehr großem Grillpavillon mit einer Kinderclownin, die einen halben Zoo in ihrem SUV mitbrachte: Zwei Schildkröten, einen Hund, zwei Ziegen, Gänse, vier Hühner, Meerschweinchen, Mäuse, ein Frettchen, zwei Hasen – ich habe bestimmt noch wen übersehen… wow. Die Kinder durften die Tiere füttern, herumschleppen und besinnungslos kuscheln. Dann wurden alle Kinder geschminkt, bekamen Luftballon-Kunstwerke gebastelt, Pizza, Eis und kunstvoll-quietschbunt dekorierte Sahnetorten nicht zu vergessen, und nach zwei Stunden (das ist der Standard hier, alle Parties dauern zwei Stunden, auch das Schulsommerfest und die ganzen anderen Feste in den Schulen sind kurz und knackig…) war der ganze Zauber vorüber.  Zu meinem größten Erstaunen waren Omas, Opas, Uromas, Tanten, Onkel, Cousins zugegen, aber nur drei andere Kinder eingeladen!?

Das war der erste Kindergeburtstag, und ich war nicht übel beeindruckt – und eingeschüchtert. Aber nicht alle Kindergeburtstage sind hier so aufwendig, von der Wasser-Plantsch-Gartenparty über Indoorspielplatz, (extrem kurzfristige) Einladung ins Theater bis hin zu Bowling mit Spielhallenbesuch ist alles möglich. Auch hier kann man online suchen, es gibt unzählige Angebote, die meisten irre teuer.

Unseren ersten 13. Geburtstag im Mai haben wir mit Versteckspielen im Garten (das war die Idee der Kinder!!!), Blind-Schmink-Challenge, Sofa-Kino-Abend und Sleepover gefeiert. Abgesehen davon, dass alle Muskelkater vom vielen Kichern hatten, waren alle superselig und hatten eine richtig tolle Party.

 

 

 

Mal sehen, Ende Oktober steht die nächste Feier an, 8. Geburtstag, wieder zuhause, diesmal gibt’s Kürbis-Schnitzen und Gruseln.

Ohne Cupcakes und viel Kuchen geht es auch hier nicht!

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Spannend finde ich, dass Geschenke im Wert von rund 20 Euro erwartet werden, für Kinder, wohlgemerkt. Dafür gibt es in den Geschäften sogenannte „gift receipts“,  also einen besonderen Kassenbon für Geschenke, auf dem der Preis nicht aufgedruckt ist und mit dem der oder die Beschenkte dann ein unpassendes, doppeltes, doofes… Geschenk wieder umtauschen kann.

Geschenke werden sehr oft nicht wie bei uns in Papier eingepackt, sondern nur in eine schöne Papiertüte gesteckt und mit Seidenpapier versteckt. Das ist ultrapraktisch, weil es wirklich mehr hermacht, aber nur 5 Sekunden dauert.

 

Auf geht’s

Am 20.12.2015 ist es soweit: Nach monatelangem Kampf mit Visaformalitäten, mit Inventarlisten und unglaublichen Ausmist-Aktionen fahren uns Sandra, Vici, Nadja und Frank zum Kölner Hauptbahnhof, wo um unchristliche 5:55 Uhr unser ICE nach Frankfurt losfährt. Lächerliche neun Riesenkoffer, eine Gitarre, vier Rucksäcke, drei aufgeregte und müde Kinder und zwei grippekranke, nicht minder müde Erwachsene verstopfen das Abteil heillos. Mitreisende werfen uns irritierte Blicke zu und ziehen schnell weiter.

Bis auf ein furchteinflößendes Nasenbluten, für das eine komplette Taschentücherpackung verarbeitet werden musste, verläuft die Zugfahrt zum Frankfurter Flughafen entspannt.

Ungemütlich wird es, als wir unser sämtliches Gepäck schnell und vollzählig aus dem Zug herausbekommen wollen, ohne den ICE-Bahnhof lahm zu legen oder Kinder zu vergessen. Wieder um einige verwunderte Blicke reicher, stehen wir mit drei Kofferwagen auf dem Bahnsteig, bereit, schnell die „25 Minuten Fußweg“ vom ICE zum Delta Check In hinter uns zu bringen.

Rund hundert Stockwerkwechsel mit teilweise versteckten, teilweise winzigen Aufzügen, zigmaligem Abladen der Kofferwagen, nacheinander in den Aufzug, wieder Aufladen der Kofferwagen, weiter bis zum nächsten Aufzug – wo könnte der sein? – ah, wieder zu klein, abladen, fahren, aufladen… endlich, der Skytrain, keine Kofferwagen erlaubt? Klar, abladen, Koffer in den Zug, fahren, neue Wagen suchen, weiter zur nächsten Rolltreppe, abladen, fahren…

Nächstes Mal nehmen wir vielleicht den Shuttle-Bus.

Check In bei Delta geht dann – trotz langer Schlangen – rasend schnell, weil man mit Business-Fahrscheinen schon irgendwie sehr anders behandelt wird. Spaßig, könnte ich mich dran gewöhnen, speziell mit drei zappeligen Kindern im Schlepptau nicht zu verachten.

Schade nur, wenn man sich so lange mit Aufzugsuchen und Kofferwagen auf- und abladen beschäftigt, dass für das feudale Frühstück in der Businesslounge nur mehr 10 Minuten bleiben. Schade, wirklich schade. Das nächste Mal plane ich dafür ein, zwei Extra-Stunden ein.

Passkontrolle, immer recht freundlich, kein Problem. Warum der Computer an diesem immer noch frühen Sonntagmorgen ausgerechnet meine Schnupfennase als suspekt auswählt und in die Extrarunde zur Leibesvisitation schickt – es wird sein Geheimnis bleiben. Wäre wirklich nicht nötig gewesen. Aber Schwamm drüber. Sicherheitskontrolle auch mit Priority Line, sehr angenehm. Liliputz’ pinker Prinzessinnenkoffer wird als gefährlich erachtet und auf Sprengstoff überprüft. Wäre ich Terrorist, würde ich meinen Sprengstoff auch rosa einpacken.

Als wir dann im Flieger alle gut untergebracht sind, zeigt sich der Luxus der Business-Klasse in seiner ganzen Schönheit: Findet man alle Knöpfchen, entfaltet sich der Sitz auf wundersame Weise zu einem respektablen Bett, mit dickem Kopfkissen, dicker Steppdecke, noch einem dicken Kissen… Göttergatte schläft schon vor dem Abheben den Schlaf aller Grippekranken, ich suche in den nächsten neun Stunden verzweifelt deutschsprachige kindgerechte Filme („Geht „Shaun“?“ -„Nein!“ – „Aber die sagen da doch gar nix!“ – „Aber das trotzdem auf Englisch“). Immerhin gibt es lecker Essen.

Das wirklich barsche: „Get seated“ des Delta-Piloten verunsichert dann wohl auch echte Millionenmeilenflieger ein bisschen, aber außer ein paar Turbulenzen verläuft der Flug nicht außergewöhnlich.

Am Detroiter Flughafen kennen wir uns schon aus, das ist auch nicht so schwer, er ist ziemlich übersichtlich. Und dank der Business-Class-Poleposition sowie unserer Visa sind wir schon wieder auf der Überholspur: Wo wir im November gefühlte drei Stunden gewartet haben, rauschen wir so schnell durch die Immigration-Homeland-Security-Schalter, dass wir vor den Koffern an der Gepäckausgabe ankommen.

Der Sixt-Shuttlebus-Fahrer staunt nicht schlecht, als wir alleine seinen Bus füllen. Und nach einem doppelten Upgrade ist das Leihauto dann auch riesig genug, dass alles reinpasst. Puh.

Im Hotel schlafen dann alle ein, nur Liliputz ist putzmunter und möchte gerne ins Schwimmbad…