Ich bin dann mal weg…

Meine allerliebsten LeserInnen,

der neue Blog ist zwar noch nicht ganz fertig, aber zumindest lesbar und sieht immerhin ungefähr so aus, wie ich es mir vorgestellt habe. Hier werde ich nichts mehr posten, „Sew do I“ geht seinem Ende entgegen.

Ich würde mich aber schrecklich freuen, wenn Du bei „bug and bee“ weiterlesen würdest. Ich weiß, wenn ich mir vorher ein paar mehr Gedanken gemacht hätte, wäre das jetzt nicht nötig gewesen… 

Also, klick rüber und folge bei „bug and bee“, dann gibt es auch wieder Benachrichtigungen, wenn es etwas Neues zu lesen gibt.

Ganz liebe Grüße

Nico 

Alles neu…

…macht der Mai. Und Nico.

Umzug Treppe

Ich bin mit Sack und Pack und dem Blog umgezogen. und wie bei jedem Umzug geht dabei auch was verlustig. In diesem Fall der Blogname: Aus ‚Sew do I‘ wird ‚bug & bee‘.

Dieser Name schwirrt mir schon seit einer Weile im Kopf herum, weil er auf den Punkt bringt, was mir besonders wichtig ist: Der quilting bug (also ein kleiner Käfer) steht für den Virus, den man sich einfängt, wenn man unbedacht in einen Stoffladen geht und anfängt, Stoff in kleine Stücke zu schneiden und wieder zusammen zu nähen. Das kann mir-nichts-dir-nichts zu einer unglaublichen Leidenschaft führen.

Die quilting bee (das Bienchen) ist das gemeinschaftliche Nähen an einem oder mehreren Quilts: gemeinsam, sich gegenseitig unterstützen, Spaß haben und quatschen – steht für meine andere große Leidenschaft: nette Menschen.

Also, ich mache Dir jetzt ein paar Unannehmlichkeiten, indem ich Dich bitte, mit mir gemeinsam umzuziehen. Wie meist, ist das neue Heim noch nicht ganz fertig, Du weißt schon – Fußleisten, Lampen… aber man kann sich schon hinsetzen und wohlfühlen. Komm doch mit: Nicos neue Seite: www.bug-and-bee.de

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Farbe bekennen

Macarons

Ich glaube, ich war schon immer ein Farbfreak. Seit ich mich erinnern kann, haben mich Farben fasziniert und angezogen.

crayon

Gibt es etwas Schöneres als sortierte Buntstifte, einen Wollladen, Stände mit Macarons in Frankreich? Ein Fest, oder?

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Farben Musik für die Augen sind. Genau!!!

Ich erinnere mich an Sachen am ehesten anhand der Farbe („War das nicht dieses rote Dingsda?“). Wenn ich etwas suchen soll, lautet die zentrale Frage: „Welche Farbe hat es?“

Ich konnte nie verstehen, wie Kinder in der Schule Stifte einfach so in ihr Mäppchen gesteckt haben, ohne Sinn und Verstand, will sagen: ohne DIE RICHTIGE Ordnung, das heißt: weiß, gelb, orange, rot, pink, lila, blau, grün, braun, schwarz.… Den lila Stift zwischen schwarz und grün? Igitt! Ich hätte eher nachvollziehen können, wenn sie die Stifte an beiden Seiten angespitzt oder aufgegessen hätten (also, natürlich nur in der richtigen Reihenfolge, klar).

 

Malkasten

Ich hätte täglich neue Buntstifte, Filzstifte, Plakafarben, Glasmalfarben, Seidenmalfarben, Malkästen… gebrauchen können, täglich! Das Traurigste in meinem Kinderleben war, dass man eigentlich nur drei Farben braucht. Mein Vater hat immer wieder versucht, mir nahe zu bringen, dass ich doch mit drei Farben alle anderen mischen kann, der Spielverderber. Ich wollte aber nicht den Malkasten mit 12 Farben, sondern den mit 24, mindestens! Lieber noch mehr. Vielleicht bin ich deswegen beim Nähen gelandet? Weil man Stoffe nicht mischen kann???

Kennst Du den Spruch: „Form follows Function“? Mein Göttergatte behauptet, dass ich einzig nach der Formel „Form Follows Function Follows Colour“ lebe. Erst mal muss die Farbe stimmen, dann muss es schön aussehen. Und wenn es dann auch noch was kann, ist das auch schön, aber irgendwie Nebensache. Beim Fahrradkauf in Holland habe ich um ein Haar zwei Freundinnen verschlissen, weil ich in gefühlt 837643 Fiets-Händlern war, bis ich DAS Fahrrad mit der richtigen Farbe gefunden hatte. Und ich habe ernsthaft mal einen Renault 5 statt eines Clios gekauft, weil der Händler den Clio nur in doofen Farben hatte und der R5 schön dunkelmarineblau war.
Frau muss Prioritäten setzen.

Mein Fiets

…in echt ist die Farbe ein bisschen kräftiger… :o)

Ok, ich habe also eine Farbmacke. Macht nichts, macht Spaß.

Eventuell ist das sogar genetisch bedingt, denn ein erklärtes Lebensziel meiner Mittleren ist es, eine neue Farbe zu erfinden. Da hätte ich auch drauf kommen können. Bin ich aber nicht. Na gut.

Warum beschreibe ich Dir eigentlich so ausführlich meine Schwäche für Farben (keine Rot-Grün-Schwäche, das ist was anderes :o))?

OK, ich hole mal aus: Über die Greater Ann Arbor Quilt Gilde bilden sich immer wieder kleine Gruppen, die sich treffen und gemeinsam quilten. Das kann aufgrund räumlicher Nähe sein, oder weil sie gemeinsam an einem bestimmten Thema arbeiten möchten. Im Herbst hat die Koordinatorin der kleinen Gruppen einen Anstoß gegeben, und daraus haben sich zwei neue Gruppen in meiner unmittelbaren Nähe ergeben. Die eine trifft sich monatlich sonntags in der Bücherei und näht zusammen, jede an ihrem jeweiligen Projekt, man quatscht, tauscht sich aus und lernt voneinander.

Und die andere hat sich Challenge-Gruppe genannt (was eine Ironie, für mich ist das Nähen an sich ja schon eine Herausforderung…), weil wir Neues lernen möchten, Komfortzone verlassen, neue Techniken kennenlernen etc. Dazu haben wir uns auf ein Kursbuch geeinigt, das wir uns alle bestellt haben und nun gemeinsam durcharbeiten. Jedes Kapitel wird von einer anderen von uns vorbereitet und präsentiert. So, und jetzt kommt endlich die Antwort! Das zweite Kapitel behandelt das Thema – Faaarbe, genau! Naja, und Perspektive, aber die ist irgendwie aus dem Blickwinkel geraten. Für das Kapitel habe ich mich natürlich sofort gemeldet und hatte großen Spaß beim Vorbereiten. Und weil die liebe Erika nicht bei unserem Treffen nicht dabei sein konnte, habe ich mir gedacht, schreibe ich es für sie auf, was ich so zusammengetragen habe. Und dann ist mir eingefallen, dass ich ja blogge, und dachte, vielleicht interessiert es auch noch jemand anderen.

So war das. Und hier kommt also das Thema:

Farben

Wie gesagt, brauchen bräuchte man nur lumpige drei Farben, die nennt man deswegen auch Primärfarben, und das sind
Blau,
Gelb und
Rot.

Rein theoretisch kann man damit alle anderen Farben mischen und unter Zugabe der Nicht-Farben Weiß und Schwarz aufhellen oder abdunkeln.
Mischt man diese drei Primärfarben untereinander, erhält man drei weitere Farben, die

Sekundärfarben:
Gelb + Blau = Grün
Rot + Blau = Violett
Gelb + Rot = Orange

Da haben wir also schon sechs Farben. Wenn man jetzt die Primärfarben mit den Sekundärfarben mischt, bekommt man noch sechs Tertiärfarben (das kann ich auf englisch nur schreiben, nicht aussprechen. Aber ‚photosynthesis‘ kann ich aussprechen, seit ich mit den Zweitklässlern Wörterbingo gespielt habe. Ich weiß, ist nicht wichtig, ich dachte, ich erwähne es einfach mal)
ok,

Tertiärfarben:
Gelb + Orange = Gelb-Orange
Gelb + Grün = Gelb-Grün
Blau + Grün = Blau-Grün
Blau + Violett = Blau-Violett
Rot + Violett = Rot-Violett
Rot + Orange = Rot-Orange

Macht also insgesamt 12 Farben, genauer gesagt: DIE zwölf Farbtöne. Das mit dem Mischen ist ja bei Stoffen wie schon erwähnt so eine Sache, deswegen: Kauf viel Stoff, Du brauchst ihn! Und lass Dich nie von (manchmal) männlichen Menschen beirren, die Fragen stellen wie: „Brauchst Du noch mehr roten Stoff?“, „Du hast doch schon gelben Stoff im Einkaufswagen, den auch noch!?“, „Die beiden türkisen Stoffe da sind doch fast gleich“. FAST ist nicht EXAKT! Nuancen, mein Lieber, Nuancen…!

Nur so nebenbei, diesen Magneten habe ich im Urlaub in den Smoky Mountains bei der wunderbaren Cindy von The Pattern Hutch (Hier kannst Du sie persönlich sehen.) gefunden:

IMG_5199Wollte ich nur mal erwähnt haben.

 

Nachdem wir das geklärt hätten und Nicht-Quilter und/oder Männer gerade weitergesurft sind, kommen wir also zum interessanten Teil: Mein Lieblingskreis, der Farbkreis!

Farbkreis 3fach

In ihm sind die 12 Farben vernünftig angeordnet und verraten dadurch spannende Geheimnisse, die im Leben ganz schön hilfreich sein können.

Die Lage einer Farbe auf dem Farbkreis sagt nämlich eine Menge über sie: mit wem sie kann, mit wem weniger, wie man mit ihr ruhige oder schrille Kombinationen herstellen kann…
Vorher möchte ich aber noch schnell weiter Begrifflichkeiten klären, die mich irgendwie immer wieder verwirren.

Wert
Spricht man vom Wert einer Farbe, meint man damit, wie relativ hell oder dunkel sie ist. Das heißt, ein Hellgrün ist heller als Dunkelgrün, aber vielleicht dunkler als ein Hellgelb; deswegen das „relativ“.

Das kennen wir vom Stoffsortieren: Oft heißt es in einer Anleitung, dass man beispielsweise die Stoffe nach hellen und dunklen solchen sortieren soll. Bei dem ersten Schwung ganz einfach, und dann hat man zum Schluss die Problemfälle übrig, bei denen man nicht weiß, ob sie jetzt hell oder dunkel sind. Technik sei Dank, das Problem lässt sich leicht lösen: mit dem Handy ein Foto machen, Schwarz-Weiß-Filter an, und schon kannst Du viel besser erkennen, was heller und was dunkler ist. Kannst Du auch mit einem Fotokopierer machen, wenn gerade zur Hand. Oder mit den Augen blinzeln, das funktioniert auch ganz gut.

Sättigung
Statt Sättigung könnte man auch Grad an Intensität einer Farbe sagen. Knallrot, Grasgrün, Quietschgelb – das sind hoch gesättigte, sehr reine Farben, oder? Hautfarben, Resedagrün, Pudergelb hingegen eher so Luschifarben, sanft und verträglich statt kraftvoll und bestimmerisch. Ich weiß, ich verlasse hier die Fachsprache, aber wir kommen bestimmt noch zu dem Absatz, in dem über Farben und Emotionen gesprochen wird, oder?

Temperatur
Von warmen und kalten Farben hast Du sicher schon gehört. Ich stehe mit dieser Einteilung ein bisschen auf Kriegsfuß. Klar, Orange und Rostrot empfinde ich auch als warme Farben. Aber viele Blautöne, die eigentlich ja zu den kalten Farben zählen, wirken auf mich warm. Beim Googeln bin ich darüber gestolpert, dass die Temperaturwahrnehmung von Farben auch kulturell geprägt, also nicht eindeutig festlegbar ist. Im Mittelalter beispielsweise wurde die Gottesmutter Maria immer mit blauen Kleidungsstücken dargestellt, die in diesem Fall ein warmes Gefühl im Betrachter auslösen (sollten).

Stofffarben

Aufgabe zu den Stofffarben

kalte Farben
Blau, Grün, Violett
wirken beruhigend, entspannend, elegant, edel, frisch
stehen für Wasser, Gletschereis, Himmel, Sachlichkeit
geben Tiefe, weil sie sich zurücknehmen

warme Farben
Rot, Gelb, Orange
wirken lebhaft, energiegeladen, kraftvoll
stehen für Feuer, Blut, Sonne, Freude und Liebe
springen in den Vordergrund

Neutrale Farben
Da gibt es noch diese Gattung, die ich im Stoffgeschäft sträflicherweise immer links liegen lasse: die neutralen Farben, also Grau, Beige, Brauntöne sowie Schwarz und Weiß. Die dezenten, leisen Töne. Mich sprechen sie so überhaupt nicht an, aber ich sollte dringend ihren Einsatz lernen, denn ohne sie wirken Quilts oft nur dumpf-bunt, laut. Mit ihnen bekommen die bunten Farben Tiefe und kommen dadurch erst richtig zur Geltung.

Harmonisch oder kontrastreich?
Das ist vielleicht eine der ersten Fragen, die Du Dir stellen solltest, wenn Du mit der Planung eines neuen Quilts beginnst: Soll er ein ruhiger, unauffälliger, zurückgenommener Geselle sein, oder mehr Diva, schrill, fröhlich? Je nach Wahl kannst Du Dich dann aus diesem Sortiment bedienen:

 

Spiel mit der Farbe!

Komplementärkontrast
Als Kind fand ich ihn toll, weil ich so stolz war, dass ich das Wort kannte (aus dem gleichen Grund habe ich lange Zeit behauptet, dass ich mal Ornithologin werden wollte). Und immer noch hat er einen besonderen Reiz, weil er so voller Energie steckt, der Kom-ple-men-tär-kon-trast.

Farben sind dann zueinander komplementär, wenn sie auf dem Farbkreis genau gegenüber liegen.

GelbViolett
RotGrün
BlauOrange

Pure Power, oder? Nicht unbedingt mehrheitsfähig für den Durchschnittsgeschmack, aber eben ein kraftvolles Gestaltungsmittel.

Mit einem sehr eleganten Trick kann man die Spannung aufrechterhalten, aber dem Auge ein bisschen Erleichterung verschaffen. Dafür sorgt er,

der Gebrochene Komplementärkontrast
Nimmt man statt der genau gegenüberliegenden Farbe die beiden Nachbarfarben der Komplementärfarbe, bleibt die Stärke des Kontrastes erhalten, tut aber beim Anschauen nicht mehr so weh.
Kombiniere:

Gelb mit Blau-Violett und Rot-Violett
Rot mit Gelb-Grün und Blau-Grün
Blau mit Gelb-Orange und Rot-Orange

Das Ganze kann noch erweitert werden:

Doppelter Komplementärkontrast
Hier werden zwei Komplementärkontrast-Pärchen miteinander kombiniert, also

Blau und Orange mit Grün und Rot oder 
Rot-Orange und Blau-Grün mit Gelb-Grün und Rot-Violett

Auch sehr lebhaft, um das mal vorsichtig auszudrücken.

Farb-Dreiklang und -Vierklang
Für diese Varianten sucht man sich Farben aus dem Farbkreis, die in gleichem Abstand zueinander liegen, entweder drei, die miteinander verbunden ein gleichmäßiges Dreieck ergeben würden, oder vier, die dann auf einem Quadrat im Farbkreis liegen.

triadisch:
Blau, Rot und Gelb (also unsere drei Grundfarben)
Orange, Grün und Violett

quadratisch:
Rot-Orange, Violett, Blau-Grün und Gelb
Rot, Blau-Violett, Grün und Gelb-Orange

Der Farbdreiklang kann übrigens auch mit ungesättigten Farbtönen sehr kraftvoll sein.

Analoge Harmonie
In guter Nachbarschaft lebende, also nebeneinander auf dem Farbkreis angeordnete Farben, ergeben zusammen einen freundlichen, ruhigen und harmonischen Quilt. Wähle drei oder mehr Nachbarn aus, und sie werden sich immer gut verstehen:

Grün, Blau-Grün, Blau und Blau-Violett
Rot, Rot-Orange, Orange und Gelb-Orange
Gelb, Gelb-Grün, Grün und Blau-Grün
und so weiter…
Vor Deinem geistigen Auge entsteht sofort ein freundlich-gelassenes Bild, oder? Zuviel Harmonie kann allerdings auch ein bisschen langweilig werden.

 

Spiel mit Farbwert und Sättigung! 

Hell-Dunkel-Kontrast
Dieser Kontrast ist ziemlich logisch, am stärksten wirkt er sicher als Schwarz-Weiß-Kombination, geht aber natürlich mit Hell-Dunkel-Abstufungen aller Farben.
Mit dem gezielten Einsatz heller und dunkler Stoffe kann man Bereiche hervorheben oder in den Hintergrund treten lassen und so zum Beispiel Formen besonders betonen.
Im Gegenzug wirken einheitlich helle bzw. dunkle Stoffzusammenstellungen ruhig und wie aus einem Guss.

Monochrome oder Ombré-Harmonie
Wähle Stoffe eines Farbtons in unterschiedlichen Sättigungen und Farbwerten, um einen ruhigen, aber durchaus nicht langweiligen Quilt zu gestalten. Hier kann auch die Kombination von Uni-Stoffen mit Musterstoffen für zusätzliches Leben sorgen.

Neutrale Farben
Soll es ein ganz edler, dezenter Quilt werden, bleibe einfach bei den neutralen Farben. Sie wirken unter sich und im Kontrast zu intensiven Farben immer ruhig und sehr zurückhaltend. Schick ist in solchen Fällen, wenn man eine einzige Farbe als Kontrapunkt wählt. Das erhöht die Zurückbenommenheit der Neutralen noch.

Noch ein Wort zum Thema Muster vs. einfarbig
Ich sammle gemusterte Stoffe. Nicht ganz freiwillig. Sie sind so verlockend und wunderschön, dass sie immer irgendwie in meinen Einkaufskorb mogeln und ich sie dann kaufen muss. Das tun die diskreten, taktvollen Uni-Stoffe nicht (genau wie die neutralen). Leider! Denn die wunderschönen Müsterchen sind zwar für sich wirklich traumhaft, aber entwickeln sich beim Kombinieren leicht zum Alptraum. Nur selten passen mehrere davon einfach so zueinander. Und zu viel ist zu viel. Leichter lassen sie sich mit Unifarben oder Stoffen, die wie ein Uni wirken, mischen. Also, tu Dir den Gefallen, wenn es nicht eh schon zu Deinen Gewohnheiten gehört, und nimm hier und da ein paar Meter Deiner Lieblingsfarbe mit. Oder mach es wie die Profis: Am einfachsten ist es, zuerst die Musterstoffe auszusuchen und dann dazu passende Unistoffe auszuwählen.

Denn die Unis können so viel:
– besonders hohe, klare Kontraste erzeugen
– Stabilität und Ruhe hinzufügen
– für einen klaren, graphischen Look sorgen
– Ton-in-Ton elegante, ruhige Quilts zaubern
– Musterstoffe hervorheben
– das Muster des Quilts betonen

 

Jetzt wird’s emotional
Ich habe oben schon die emotionale Seite der Farben erwähnt. Bei dem Thema werde ich immer ganz euphorisch, deswegen lasse ich hier lieber andere zu Wort kommen.

Zum Bespiel Wissenschaftler:

«Farben werden durch den physiologischen Prozess des Sehens in Gefühle umgewandelt, in Farbempfindungen.»
Harry Wolfarth (University of Alberta, Kanada)

Oder Künstler:

«Formen und Farben sind nicht an sich schön, sondern die, welche durch seelisches Wollen hervorgebracht sind. Es ist etwas Geheimes, was hinter den Menschen und Dingen und hinter den Farben und Rahmen liegt, und das verbindet alles wieder mit dem Leben und der sinnfälligen Erscheinung, das ist das Schöne, das ich suche.»
Ernst Ludwig Kirchner

«Je tiefer das Blau wird, desto tiefer ruft es den Menschen in das Unendliche, weckt in ihm die Sehnsucht nach Reinem und schließlich Übersinnlichem. Es ist die Farbe des Himmels.»
«Die Farben und Formenharmonie muß allein auf dem Prinzip der zweckmäßigen Berührung der menschlichen Seele ruhen.»
Wassily Kandinsky

«Farbe in der Architektur muss intensiv und logisch sein.»
Antoni Gaudí

«Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler.»
Paul Klee

«Blau ist das männliche Prinzip, herb und geistig. Gelb ist das weibliche Prinzip, sanft, heiter und sinnlich. Rot die Materie, brutal und schwer und stets die Farbe, die von den anderen beiden bekämpft und überwunden werden muss.»
Franz Marc

«Ich habe mir immer schon gesagt, prinzipiell passt jede Farbe zu jeder Farbe. Also es gibt kein System. Nicht: es geht nur Blau zu Grün oder das Verhältnis der Farben zueinander transportiert diese oder jene Eigenschaft oder Aussage.»
Herbert Brandl

«Der Schatten ist eine Farbe wie das Licht, nur nicht so leuchtend; Licht und Schatten sind nur eine Beziehung zwischen zwei Farbtönen.»
Paul Cézanne

«Ich bin an den Beziehungen von Farbe und Form nicht interessiert. Ich bin nur daran interessiert, die grundlegenden menschlichen Emotionen auszudrücken – Tragik, Ekstase, Untergang usw.»
Mark Rothko

 

Und dann Frida Kahlo, die Anfang der Anfang der 1940er dies in ihrem Tagebuch notierte:
• Grün = warmes, gutes Licht
• Rötliches Purpur = aztekisch, Tlapalli, altes Blut des Birnenkaktus, die lebendigste und älteste Farbe
• Braun = Farbe des Muttermals, des vergehenden Blattes, die Erde
• Gelb = Wahnsinn, Krankheit, Angst; ein Teil der Sonne und Freude
• Kobaltblau = Elektrizität und Reinheit, Liebe
• Schwarz = nichts ist schwarz, wirklich überhaupt nichts
• Laubgrün = Blätter, Trauer, Wissenschaft; ganz Deutschland hat diese Farbe
• Grünliches Gelb = noch mehr Wahnsinn und Geheimnis; alle Gespenster tragen Anzüge in dieser Farbe, oder zumindest kommt die Farbe in der Unterkleidung vor
• Dunkelgrün = die Farbe von schlechten Nachrichten und guten Geschäften
• Marineblau = Entfernung; auch Zärtlichkeit kann von diesem Blau sein
• Magenta = Blut? Na wer weiß?!

 

Auch in unserer Gruppe wurde angeregt über die Bedeutungen von Farbe und unsere Empfindungen diskutiert. Welche Farbe würdest Du sein, wenn Du eine Farbe sein solltest?

 

Dass ich meine Stoffschätze nach Farben sortiere, ist ja klar. Für Fat Quarter und kleinere Stückchen habe ich übrigens zwei schwedische Benno-CD-Regale zweckentfremdet und bin sehr glücklich mit dem Ergebnis. Auch die größeren Stücke sind grob nach Farbe sortiert und erfreuen mich mit ihrem Anblick. Ist doch ein gutes Gefühl, Stöffchen zu retten.

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Schätze!

Ich könnte noch ewig weiter schreiben. Über Lieblingsfarben, zum Beispiel. Oder über die Farbpsychologie des kürzlich verstorbenen, legendären Max Lüscher. Aber dann komme ich ja gar nicht mehr dazu, meine bunten Freunde zu streicheln und zu vernähen. Also mach ich jetzt hier erstmal einen (neutralen) Punkt.

Stürmisches Michigan

Michigan Wind Storm

Wie aus heiterem Himmel… im Nachbargarten

Das beeindruckendste Geburtstagsgeschenk in diesem Jahr war ganz eindeutig unser Sturm.  So einen Sturm habe ich übrigens noch nie erlebt: stahlblauer Himmel, Hochsommer-Sonnenschein – und links und rechts kippen Bäume um!?  Mein Geburtstagssturm sah unwirklich schön aus. Hat allerdings wirklich schön zugeschlagen. Obwohl die Laubbäume noch kahl sind, haben die Orkanböen unzählige Bäume umgepustet, die zuhauf in die Stromleitungen, auf Autos und Häuser gestürzt sind. Aber nicht nur das, Straßen waren unpassierbar, Ampelanlagen außer Betrieb, in Lansing hat der Wind eine Kirchenmauer um 5 Inch verschoben…

Ich hatte mir am Morgen einen Friseurtermin gegönnt, die Kinder waren schon ganz früh von der Schule zurück, weil sie nur einen halben Tag hatten. Also ging um elf Uhr mein Handy:
„Mama, wir haben keinen Strom“.
„Na und, ist doch hell, und einigermaßen warm. Ich komme gleich zurück und dann fahren wir in die Stadt und …“
„MAAAMAAAA! WIR…! HABEN…! KEIN…! INTERNET…!!!“
Oh Gott, wie kann man nur so begriffsstutzig sein: Strom. Es ging also um Leben und Tod.

Ja, und seither ist der größte Weihnachtswunsch meiner Töchter ein…Generator!
Wir haben ja schon mal öfter Stromausfälle. Das ist in einem Land mit vielen Bäumen, richtigem Wetter und oberirdischen Stromleitungen ja auch nicht weiter verwunderlich. Als am Mittwochmorgen der Strom ausfiel, war das aber schon besonders, genauer gesagt einer der umfassendsten Stromausfälle in Michigan seit Erfindung der Glühbirne, ungefähr. Nachdem der Sturm sich am  Donnerstag gelegt hatte, gab die Energiegesellschaft bekannt, dass sie hofft, rund 90 Prozent der knapp eine Millionen Menschen wieder mit Strom versorgen zu können. Sie hoffen. Neunzig Prozent. Eventuell. Bis zum Wochenende. Oha.

Michigan wind storm

Selbst laublose Laubbäume hat es erwischt

 

Um zu verstehen, was das hier bedeutete:

  • Wir hatten kein Internet! Ich war natürlich mit meinem Handy online, aber das habe ich nicht geteilt, weil ich es ja nur im Auto laden konnte. Ich bin auch noch gemein. Also kein Internet. Sehr schlimm.
  • Kein Licht, nicht so schlimm, es ging auf Vollmond zu und der Himmel war ja wolkenlos gepustet. Und IKEA-Kunden kennen keinen Kerzenmangel. Also eher gemütlich als schlimm.
  • Auch sonst kein Strom. Naja, lästig.
  • Keine Schule. Eine Frage der Perspektive. Die Grundschule hatte auch keinen Strom und war ab Mittwochmittag geschlossen. Unglücklicherweise hatte die Mittelschule Strom. Aber ohne Internet ist zuhause eh langweilig, dann doch lieber Schule. Glücklicherweise hat sich die Kleine dann zum Spielen verabredet, dann war den Tag nicht ganz so lang.
  • Keine Heizung. Klimawandel sei Dank, tagsüber 10 Grad (plus), nachts knapp unter Null. Das Wichtigste: ein Kamin. Und genug Holz in der Garage. Kennst Du Caillou und die Folge, in der ein Schneesturm für einen Stromausfall sorgt und alle im Wohnzimmer vor dem Kamin schlafen? Ich tu immer so, als wäre das nur der Traum meiner Kinder, dass das mal passiert, aber in echt habe ich auch immer davon geträumt. Na, und dann hab ich genau das zum Geburtstag bekommen! War das kuschelig, seufz. Zumindest in der ersten Nacht, als das Haus noch nicht komplett ausgekühlt war, Amerikaner haben’s nicht so mit Isolation (das meine ich jetzt nicht politisch). Die Heizleistung unseres Kamins merkt man am besten 10 bis 50 Zentimeter vom Feuer entfernt, weiter weg ist die Wirkung eher übersichtlich. Ging aber. Nur nachts alle ein bis zwei Stunden Holz nachlegen, damit das Feuer nicht ausgeht, war nicht ganz so romantisch wie bei Caillou.
  • Kein Wasser. Noch nicht mal kaltes. Genau, und keine Toilette. Wir haben einen Brunnen, das Wasser wird mit einer Pumpe hochgepumpt, elektrisch. Blöd, irgendwie.

Am Nachmittag von Tag zwei war ich drauf und dran, einen Generator zu kaufen. Gottlob war der Stromausfall zwar flächendeckend, aber löchrig. Viele Gegenden (inklusive Tankstellen und Geschäfte!) hatten Strom, ihre Nachbarn dann keinen. Der Verkäufer war viel zu nett, um mich auszulachen, aber Grund hätte er gehabt. Bisschen naiv, noch immer über 800.000 Menschen unabsehbar ohne Strom, und Nico denkt: „Geh ich mal in einen Laden im Ohne-Strom-Epizentrum und kauf uns einen Generator!“ Ganz schön gescheit… Also kein Generator.
Wahrscheinlich gibt es in Florida noch welche. Wir fingen langsam an, das Wochenende im Hotel zu planen (falls wir da noch was bekommen hätten…). Die Großen hatten sich für Nacht zwei schon bei Freundinnen einquartiert, weil sie duschen wollten.
Aber am dritten Morgen war dann hier alles wieder gut: Strom, Licht, Wasser, Toilette, Heizung… Danke, Ihr DTE-Leute, die schon während des Sturms ununterbrochen versucht haben, alles möglichst schnell zu flicken.

Den Inhalt des Kühlschranks hatte ich in einer geschlossenen Kiste auf der Terrasse gerettet, die Tiefkühlsachen sind jetzt gegessen oder zwangsentsorgt. Und weil er eh leer war, habe ich einen Kühlschrankputzkoller bekommen und einfach mal aus lauter Freude an Strom und Wasser einen Megafrühlingsputz in der Küche veranstaltet. Das Gute daran ist, dass ich für dieses Jahr genug geputzt habe. Der Nachteil: Ich wollte mich eigentlich endlich für all die lieben Geburtstagswünsche per Schneckenpost, Facebook, WhatsApp, Email, SMS… bedanken! Danke, danke, danke, Ihr Lieben, ich arbeite mich ab morgen alphabetisch durch, ok?

Außerdem haben wir jetzt einen guten Vorrat an Wassergallonen, Papptellern (ich weiß, politisch nicht korrekt, aber spülen ohne Wasser ist auch doof), einen neuen Campingkocher, Gaslampe und jede Menge Gaskartuschen für den nächsten Zeltausflug. Und keinen Generator, ist ja auch noch nicht Weihnachten.
Aber ich scherze hier so vor mich hin, während nur eine Straße weiter der Strom noch nicht wieder da ist, die Generatoren brummen durch die Nacht, die sich mittlerweile auf 12 Grad abgekühlt hat, minus! Jetzt sehe ich den beliebten Michigander Abschiedsgruß mit anderen Augen. Hier sagt man statt „Tschüss“ oder „Mach’s gut“ im Winter eigentlich immer „Stay worm!“

Quilting with live music!?

How about a quilt workshop with live music? What, if the musician was a pretty decent quilter, too? Wouldn’t that be nice? It IS nice!

Joe Cunningham mit Gitarre

Joe Cunningham – plays, sings and quilts

 

The Greater Ann Arbor Quilt Guild did it again: They made another great, internationally known artist to visit our little town for a lecture and two all-day workshops.

 

Joe Cunningham

“Winter Twister,” made by Joe Cunningham, 2010, 73 x 69. Photo by Johnny Davis, San Francisco, CA, 2011

 

 

This time, it’s Joe Cunningham, who lives in the Presidio of San Francisco, California. Originally from Flint, Michigan, he had good times as a young musician hanging out in Ann Arbor, so this might be kind of home game for him.

Linda Theil interviewed him in December 2016, find and read it here.

Well, in a nutshell: the workshops turned out to be a real pleasure. I mean, look at that man, risking the brave act of walking into a room full of female, eager to learn quilters, some of them super experienced, daring to be the rooster in the hen party.

But how would you frighten a man who entered the (women’s owned) field of fiber arts as early as 1979, right at the beginning of the big quilting renaissance in the US?

Even if he desperately tried to keep up some authority, he showed a great sense of humor admitting he was just losing it entering our workshop. His wit and humor are really captivating, so there was a lot of laughter throughout the days.

So we generously decided to give him a chance – and that fully paid off! Joe’s very calm way of teaching is astounding. Not by talking so much, but by watching us work, only giving some subtle advice now and then. A small hint here, a gentle decision-support there, always very helpful – that’s what I’d call ‚subliminal’ teaching.

His sense of humor is anything but subliminal, his easy yet cheery nature is both motivating and relaxing. Comments like: ‚I want y’all to be really creative – in exactly the way I dictate!‘ made a lot of laughs mingle with the humming of the sewing machines.

He also declared that if he ever ran for a public office, say, if he ever were elected to be President (note the workshop’s date), the very first thing he’d do in his first hours in office would be to gather all the best engineers in one room, lock it, and never let them out until they had invented the ‚full spool bobbins‘ – never ending bobbin thread, imagine that – what a wonderful promise! I’d sure vote for him, if I could!

He’s a smart guy, no doubt: ‚I make instructions as confusing as possible to make me feel more important and needed!‘ – see, what I mean?

This being said, our Friday instructions sounded kind of disturbingly easy to follow:

„Start with a triangle, add a maximum of 11 more pieces out of up to 4 different fabrics. Go on until you end up with a 24-inch square!“

Should be doable. Actually, it drove me nuts as I worked partly  backwards (I had already a 24-inch edge and tried to get back to the start triangle – NOT a good idea!)

Well, Joe – happily watching us – nailed it: ‚Sewing without knowing.‘

Anyways, he handed out truly good advice: ‚No Y-seams. If you have a problem – cut it off!‘ (oh boy, I could go with this in my daily living…)

Listening to all this, it’s easy to see that Joe is a modern, an improv quilter. Look at what I learned (for my life) in the workshops of the amazing Sherri Lynn Wood here.

I appreciate the relaxed attitude towards perfection and planning. Improv is all about the process and the material, relying on finding the way without a given pattern or having a goal in advance.

Joe said, that even log cabin is more a process than a pattern, as you can re-arrange it all day long.

But – after all – this mighty freedom in designing can be difficult, especially for someone like me who tends to seek security in pattern and kits! Read here about my cheer to the kits of the quilting world.

 

Quilts workshop Joe Cunningham

Friday-Creations – courage to use negative space

 

The pictures of our Friday session show clearly, that some of us were more confident to make use of negative space than I was.

And I should get used to bringing more grown-up fabrics (solids!!!) to modern quilting workshops. My candy-sweet colors look simply silly with these designs, let’s face it.

 

Quilts workshop Joe Cunningham

Too colorful, too much…it’s a learning curve!

 

Joe showed us his idea and technique of sewing bias tape on the quilt top, which easily but effectively adds a lot of different effects: contrast, emphasis, connections, variety… go play with it, you’ll see what I mean.

 

Quilts workshop Joe Cunningham

Here we go!

 

He buys ordinary bias tape, as it is easier to use as the self-made ones. (Go look, maybe there’s some left in the PTO Thrift Shop!)  Start with the raw edge, sew the bias tape in any shape you like onto your quilt top; the smaller the width of the tape, the tighter you can cruise around. Fold the bias tape over and sew again. If you have two finished edges, sew on both sides. Tape too short? Fold loose ends under, fix them, and they are no longer a problem.

 

Quilts workshop Joe Cunningham

Bias tape magic!

 

By the way: Joe’s everyday machine is a 25-year-old Bernina 130, most of the time using his walking foot. He says she’s doing a great job, still he’s always impressed with wonders of machines made in this millennium „This machine feels so much like home, but it’s making so much less sound!?“

 

Quilts workshop Joe Cunningham

Miracles of the millennium!

 

His iron is one of his best friends: „This thing is a steam machine, it can change nature, I mean, it really solves problems.“ Again, I’d like to have this for my daily life, see what else it could straighten out!?

Second workshop, different setting. This time, we got precise instructions (wait, as precise as he can (or wants to) be – Joe said, nobody ever booked him for being an amazing instruction designer. Well, we know the reason why…;o)!)

No, seriously, we got very clear instructions on what to do, even if we didn’t really know what we were doing.

Cut different random-width strips, sew them together, press seams open, cut pieces in the given dimensions, sew them together to make new strips (mind the 1/4 inch seam allowance!), cut again, and finally end up with 6 1/2 inch blocks that you may arrange on your design walls however you like it.

 

About the composition of the blocks: Ideas may come from everywhere, be open! Just lay them out and see, sometimes this can be it! Or create something, like a path, a cross, organize the colors or pattern, turn all background fabrics in the block to the outer edge to create the impression of floating blocks, enhance effects with bias tape…and again: no right or wrong.

 

Quilts workshop Joe Cunningham

Finding the best composition

 

Not surprisingly, all attendees came up with totally different results. At the end of the day, the room felt like a museum, stunning creations on all design walls and the opportunity to talk to the artists – what a great atmosphere.

 

Quilts workshop Joe Cunningham

Like this –

 

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– or that –

 

 

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– more this and that –

 

Quilts workshop Joe Cunningham

… and finally: this is the finished version, made by Joe Cunningham!

 

If you are not happy with traditional binding, watch this: Joe showed us an elegant, yet very easy technique for invisible binding.

Cut four 4-inch-strips, fold them lengthwise, iron in half, attach them on the right side of your quilt sandwich, raw edges alongside outer edges, like you would do for a normal binding. But you don’t go around the whole quilt, only one strip at a time, starting with two opposing sides, from one corner to the next, leaving raw edges at both ends.

Add two more strips to the remaining edges, a bit shorter than the full length of the quilt (app. 1/2 inch less on both ends), center it and sew from one end to the other (sew until the very edge). Trim the corners to avoid big bulges, turn the binding over, hand stitch it on the backside, and you’ll have a neat, supersimple invisible binding.

 

 

He concluded with wise advice: Joe shared his way of folding quilts, that have to accompany him while traveling packed in his suitcases. My grandma used to tell me: „If you want to keep a fabric until it’s old, always use the same fold“ (ok, the German original sounds smarter, but you get it, right?). Now, Joe does quite the opposite. Fold one corner randomly and roughly in direction of the middle (no need to be exact), meet up with the other three corners. Now you have a new rectangle to go on folding normally. This way, you avoid persistent creases.

Willst Du einen Quilt gut erhalten...

Improv-Folding!

 

Want more of him? Sign up for his quilt retreat in Seattle, probably a zinger. He says, the best thing about the retreat is: „I can talk five days long!’ I guess it would be a great time to listen to this kind person five days long!

Or, quoting his friend John Pappas‘ comment on the GAAQG-page:

John Pappas says: (December 8, 2016 at 10:33 am)

Spending time with Joe (whether it’s a workshop, a lecture, or sitting in the woods) is always a pleasure. Looking forward to his Ann Arbor dates.

Quilten mit Livemusik?

Wie wär’s mit einem Quiltworkshop mit Livemusik? Und wenn der Musiker dann auch noch ein richtig guter Quilter wäre? Wäre ziemlich genial, oder? Es IST ziemlich genial!

Joe Cunningham mit Gitarre

Joe Cunningham – spielt, singt und quiltet

Die Quiltgilde von Ann Arbor hat mal wieder einen international renommierten Künstler in unser kuscheliges Örtchen geholt, um uns mit Workshops und Vortrag zu erfreuen.

Joe Cunningham

“Winter Twister,” made by Joe Cunningham, 2010, 73 x 69. Photo by Johnny Davis, San Francisco, CA, 2011

Diesmal ist es Joe Cunningham, der aus Presidio of San Francisco, also aus Kalifornien, angereist ist. Da er ursprünglich aus Flint in Michigan stammt und sich als junger Musiker oft in Ann Arbor herumgetrieben hat, ist es für ihn eine Art Heimspiel.

Linda Theil hat ihn im Dezember 2016 schon mal vorab interviewt, die deutsche Übersetzung findest Du hier, das englische Original hier.

Es ist ja schon eine mutige Sache, sich als Hahn im Korb in einen Raum mit einer Horde lernwilliger, aber teilweise auch sehr erfahrener Quilterinnen zu trauen. Aber einen Mann, der sich schon 1979, also ganz zu Beginn der großen Quilt-Renaissance hier in Amerika, auf das Gebiet der Stoffkunst gewagt hat, kann das wohl nicht erschüttern.

Auch wenn er während der beiden Workshop-Tage wacker um ein bisschen Autorität kämpft, nimmt er deren Nichtexistenz mit viel Humor. Mit sehr viel Humor sogar, wir hatten viel zu lachen.

Und so haben wir ihm freundlich eine Chance gegeben – und das hat sich voll ausgezahlt. Joes unaufgeregte Art zu lehren ist erstaunlich. Er sagt gar nicht viel, lässt uns machen und gibt nur hier und da ein paar dezente Hinweise. Ein kleiner Stupps hier, eine kurze Entscheidungshilfe da, aber immer sehr hilfreich – ich würde das jetzt mal ‚unterschwellig’ nennen.

Sein Sinn für Humor ist jedoch kein bisschen unterschwellig, er hat eine ruhige, beschwingte Art, die gleichzeitig motiviert und entspannt. Wenn er ab und zu einen Kommentar wie „Ich möchte, dass ihr jetzt alle wahnsinnig kreativ seid. Und zwar in exakt der Weise, wie ich es Euch vorschreibe!“  in den Raum wirft, mischen sich die Lacher zwischen das Rattern der Nähmaschinen.

Ganz zu Beginn stellt er klar, dass er jetzt wohl auch für irgendein öffentliches Amt kandidieren werde. Und noch am Tag seiner Amtseinführung (es war der Workshop am 20. Januar…) würde er per Dekret all die genialen Ingenieure aus Kalifornien in einen Raum einschließen und ihnen sagen, dass sie nicht eher wieder rauskommen, bevor sie nicht die „full spool bobbins“ erfunden hätten. OK, Endlosbobbins, stell Dir vor, nie wieder der blöde Unterfaden mittendrin zu Ende, herrlich, meine Stimme – dürfte ich denn hier wählen – hätte er sicher. Sehr patent, der Mann.

Auch seine Strategie, seine Instruktionen so kompliziert und undurchsichtig wie nur möglich zu machen, hat System: er möchte sich einfach gebraucht fühlen. Macht Sinn!

 

Am Freitag klang unsere Aufgabe dann auch erstmal verstörend einfach für mich:

„Beginnt mit einem Dreieck, fügt diesem Dreieck maximal 11 weitere Stoffstücke aus maximal 4 unterschiedlichen Stoffen hinzu, bis ihr ein 24-Inch-Quadrat habt.“

Klingt erstmal übersichtlich. Hat mich dann aber sehr viel Hirnschmalz gekostet, weil ich teilweise rückwärts gearbeitet habe (hatte schon eine 24 Inch lange Seite, von der ich mich dann in Dreieckschritten zurück zu dem Ausgangsdreieck tasten wollte – KEINE gute Idee)

Naja, Joe hat dann unser Treiben auch – immer fröhlich vor sich hinkichernd – auf den Punkt gebracht: „Sewing without knowing“

Immerhin, einen guten Rat hat er uns mit auf den Weg gegeben: Keine Y-Nähte! Wenn Du ein Problem hast: Schneid es ab! Mensch, das möchte ich gerne mal im Alltag ausprobieren, klingt zu gut!

Man merkt schon, dass wir es hier mit einem modernen bzw. Improv-Quilter zu tun haben. Schau Dir an, was ich bei Sherri Lynn Woods Workshop (für’s Leben) gelernt hab und lies auch meine deutsche Übersetzung ihres Interviews mit der Quilt-Gilde hier.

Mir gefällt der entspannte Umgang mit Perfektion und Planung sehr. Hier geht es darum, sich auf einen Prozess und das Material einzulassen und darauf zu vertrauen, dass es gut wird. Joe meinte auch, dass Log Cabin eigentlich eher ein Prozess als ein Schnittmuster ist, weil man den ganzen Tag mit Hin- und Herschieben verbringen kann. Allerdings ist das freie Designen auch alles andere als einfach, zumindest für mich, die sich sehr gerne hinter Anleitungen und Kits versteckt.

Quilts workshop Joe Cunningham

Kreationen aus dem Freitagsworkshop – mit zum Raum

Die Bilder von Freitag zeigen, dass manche mehr Mut haben als ich, ganz besonders, was den Umgang mit negativem Raum angeht. Und ich muss mir mal angewöhnen, zu modernen Workshops erwachsenere Stoffe und Farben (uni!!!) mitzunehmen, mit meinem Quietischi-Kram sieht das zu albern aus.

Quilts workshop Joe Cunningham

Zu bunt, zu durcheinander… aber ich lerne durch jeden mißratenen Versuch!

Von Joe haben wir an diesem Tag auch noch eine erstaunlich einfache wie effektive Methode gelernt, auf dem Quilttop mit Schrägband Kontraste, Verbindungen, Abwechslung, Betonung einzelner Bereiche… zu erzeugen. Spiel einfach damit, Du wirst sehen, was ich meine.

Quilts workshop Joe Cunningham

Tataaaaa, so einfach geht’s!

Er nimmt gerne ganz normales Schrägband, das er fertig kauft (die Bastelabteilung in unserem Secondhandladen ist jetzt leergekauft, wir waren alle da) und beginnt (sofern vorhanden) mit der Schnittkante. Näh sie einfach auf den Stoff, so, wie es Dir gefällt. Mach Formen, Wege, Zeichen – alles ist möglich. Je schmaler das Schrägband, desto enger kannst Du herumkurven. Band zu kurz? Die Enden entweder im Außenrand verschwinden lassen oder unterfalten. Dann wird das Schrägband in der Mitte gefaltet und die andere Seite festgenäht. Fertig.

Quilts workshop Joe Cunningham

Zaubern mit Schrägband!

Nebenbei: Joes Alltagsmaschine ist eine 25 Jahre alte Bernina 130 und er benutzt mehr oder weniger immer den (irgendwie sperrigen) Obertransportfuß. Er sagt, sein Maschinchen schnurrt immer noch tadellos, aber wenn er mit einer unserer neueren Maschinen nähte, kann er nicht umhin, sich von den „Wundern dieses Jahrtausends“ schwer beeindruckt zu zeigen. „Diese (neuere Bernina-) Maschine fühlt sich an wie zuhause, aber sie klingt sooo viel leiser…“

Quilts workshop Joe Cunningham

Der Zauber der 21. Jahrhunderts!

Sein Bügeleisen ist übrigens einer seiner besten Freunde: „Das Ding ist eine Dampfmaschine, es kann die Natur verändern, also, richtige Probleme lösen!“ Auch das würde ich mir mal gerne für meinen Alltag ausleihen, mal sehen, was man damit noch so alles geradebügeln kann.

 

Der zweite Workshop war ein ganz anderer: Hier hatten wir eine sehr präzise Anleitung (also, so präzise, wie er nunmal kann und will, denn er sagt, es habe ihn noch nie jemand gebucht, weil seine Fähigkeit, Anleitungen zu schreiben, so außergewöhnlich gut seien. Wir wissen ja auch, warum er sie kompliziert macht ;o))

Nein, im Ernst, wir hatten sehr klare Vorgaben, was wir tun sollten, auch wenn wir nicht ganz genau wussten, was wir da eigentlich machen.

Zufällige Streifen zusammennähen, wieder in vorgegebene Stücke auseinander schneiden, verdreht wieder zusammennähen, dann wieder in der gleichen vorgegebenen Stückelung auseinander schneiden, immer schön auf die 1/4in-Nahtzugabe achten, um dann endlich mit 61/2 Inch Blöcken zu enden. Diese konnten wir dann an unseren Designwänden arrangieren, wie wir lustig waren.

Zur Komposition der Blöcke sagt Joe, dass wir einfach offen für Ideen sein sollten. Manchmal passiert es, dass man die Böcke ohne Plan nebeneinander legt, und das Resultat klasse aussieht. Man kann die Blöcke so drehen, dass immer die Stücke mit dem Hintergrundstoff nach außen zeigen und so den Eindruck erwecken, dass die anderen Farben schweben. Man kann versuchen, mit den Stoffen Formen, zum Beispiel ein Kreuz oder einen Weg, zu bilden und diesen Effekt auch noch mit den Schrägbändern verstärken. Und wie immer: Es gibt kein richtig oder falsch.

Quilts workshop Joe Cunningham

Ja, wie ist es am schönsten?

Und wieder hatten alle Teilnehmerinnen völlig unterschiedliche Ergebnisse, zum Schluss wirkte der Workshopraum wie ein Museum, in dem man die Werke betrachten und gleichzeitig mit den Künstlerinnen reden konnte, sehr spannend.

Quilts workshop Joe Cunningham

So –

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– und so –

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– oder so und so –

Quilts workshop Joe Cunningham

… und so sieht das Ganze fertig gequiltet bei Joe Cunningham aus!

 

Wer mit dem traditionellen Binding nicht so richtig glücklich ist, für den hat Joe auch noch eine sehr elegante, weil einfache Lösung.

Er näht 4 Inch breite, längs gefaltete Streifen wie bei einem normalen Binding auf die Vorderseite des Quilts, Schnittkanten entlang der Außenkante, schöne Seite beim Falten außen. Diese Streifen laufen aber nicht rundherum, sondern sind nur so lang wie die Seiten und enden einfach unversäubert an den Seitenenden. Er beginnt mit zwei gegenüberliegenden Seiten. Auf die beiden anderen Seiten näht er ebenfalls diese Streifen, aber beidseits etwas (ca. 1/2 Inch) kürzer als der Quilt. Er näht sie (bis ganz zur Außenkante) fest, beschneidet die Ecken, um dicke Knubbel zu vermeiden, schlägt alles nach hinten um und muss dann nur noch den so entstandenen Rahmen auf der Rückseite mit der Hand annähen. Von vorne endet der Quilt so nun rahmenlos.

 

Und zum Abschluss hatte Joe noch einen guten Tipp auf Lager. Er hat uns gezeigt, wie er seine Quilts faltet, die ja wochenlang in seinen Koffern reisen müssen. Entgegen dem Spruch, den ich Dank meiner Oma tief verinnerlicht habe: „Willst du einen Stoff gut erhalten, so leg ihn stets in die gleichen Falten!“,  macht es Joe genau umgekehrt. Er knickt eine Ecke diagonal, aber willkürlich und schräg, in Richtung (aber nicht genau bis zur) Mitte, die anderen drei Ecken treffen dann bei der ersten Ecke zusammen. So entsteht bei jedem neuen Falten ein anderes Rechteck, das man dann normal weiter faltet, und die hartnäckigen Liegekanten werden vermieden.

Willst Du einen Quilt gut erhalten...

Alternatives Improv-Falten!

 

Wer mehr von Joe Cunningham haben möchte, kann sich für seine zweimal jährlich stattfindenden Quilt-Retreats in Seattle anmelden, die wahrscheinlich ein Knaller sind. Er selbst sagt, das Beste daran ist, dass er 5 Tage am Stück reden darf. Es ist mit Sicherheit auch sehr vergnüglich, diesem netten Menschen 5 Tage am Stück zuzuhören. Oder, wie es sein Freund John Pappas als Kommentar auf der Quilt-Gilde-Webseite geschrieben hat:

John Pappas says:

December 8, 2016 at 10:33 am

Spending time with Joe (whether it’s a workshop, a lecture, or sitting in the woods) is always a pleasure. Looking forward to his Ann Arbor dates.

 

Interview mit Joe Cunningham

Linda Theil von der Greater Ann Arbor Quilt Gilde (GAAQG) hat dieses Interview mit dem Quiltkünstler Joe Cunningham anlässlich seines Besuchs in Ann Arbor zum GAAQG Quilt Day im Januar 2017 am 4. Dezember 2016 geführt. Hier findest Du das englische Original!

Neben dem Vortrag beim Quiltday hat er auch in zwei ganztägigen Workshops auf dem Campus des Washtenaw Community Colleges unterrichtet. Hier kannst Du lesen, was wir dort erlebt und gelernt haben!

Mit ausdrücklicher und sehr freundlicher Erlaubnis (VIELEN DANK DAFÜR!!!!) übersetze ich es hier, damit Du es leichter lesen kannst.

Joe Cunningham

“Winter Twister,” made by Joe Cunningham, 2010, 73 x 69. Photo by Johnny Davis, San Francisco, CA, 2011

Joe Cunningham ist ein weltbekannter Künstler, der seit 1979 professionell Quilts macht. Er lebt im Presidio von San Francisco, nur wenige hundert Meter von der Golden Gate Bridge entfernt.

GAAQG: Auf deiner Internetseite steht, dass du Musiker warst, bevor du Quilter wurdest. Welches Instrument und welchen Musikstil hast du gespielt?

JC: Ich habe als Allround-Gitarrist in den Nachtclubs von Michigan gespielt seit ich 15 war. Größtenteils habe ich als Rockgitarrist in und um Flint* gearbeitet. Aber ich bin nie mit irgendeiner Berühmtheit aufgetreten.                                                    (* Michigan)

GAAQG: Denkst du, dass deine Textilkunst von dieser Zeit als Musiker beeinflusst wird?
JC: Ich denke, dass die tiefere Auseinandersetzung mit jeder Art von Kunst deine künstlerische Vorstellungskraft bereichert und aufzeigt, was alles möglich ist. Ein Musiker zu sein hat mich vor allem gelehrt, offen für Improvisationen zu sein – weil das manchmal der einzige Weg ist, dahin zu kommen, wo du hinmöchtest.

GAAQG: Hast du eine Meinung zu den Spannungen zwischen dem sogenannten Modern Quilting und dem traditionellen Quilting?
JC: Also diese Spannung zwischen den beiden Lesarten – ich sehe sie gar nicht als grundlegend verschieden an. Sowohl das traditionelle als auch das moderne Quilten basieren auf der Ästhetik eines anderen. Ich will damit sagen, dass unsere Interpretation dessen, was wir „traditionell“ nennen, auf der Interpretation jemand anderen basiert, der einige Quilts aus dem neunzehnten Jahrhundert studiert hat.
Ich wünschte, jedeR würde diese Quilts aus dem Zusammenhang genommen betrachten und selbst urteilen, was er oder sie als „traditionell“ empfindet.
Das moderne Quiltdesign, das auf den Lehren und Stilen einiger weniger Quiltkünstler beruht, wirkt der Entwicklung eines persönlichen Stils entgegen, aber gerade das ist es, was mir besonders am Herzen liegt. Ich möchte die Leute dazu bringen, Arbeiten hervorzubringen, die ihre Individualität widerspiegeln, nicht Arbeiten, deren einziges Ziel es ist, die Regeln oder Vorgaben eines anderen zu erfüllen.
Das, was ich in der Welt des Quiltens suche, ist Anarchie, genau wie das, was ich in den Arbeiten der Frauen des 19. Jahrhunderts gesehen habe: nichts, das aussieht wie die Idee eines anderen, wie ein Quilt aussehen sollte. Das Gute am „modernen“ Quilt-Machen ist meiner Ansicht nach, dass es dem Quiltdesign das folkloristische „Country“-Element genommen hat, so dass es auch für jüngere Leute okay ist, sich dafür zu interessieren.

GAAQG: Wer hat dich zu Beginn beeinflusst?
JC: Mary Schafer und ihr Kreis in Flint und Flushing haben mich anfangs stark beeinflusst. Mary hat mir klargemacht, dass ich ein Quilthistoriker werden sollte, ein Quiltgelehrter, ein Künstler und Quiltkonstrukteur, und dass ich alte Quilts kopieren muss, um sie so richtig zu verstehen.
(Ed.: Cunningham hat Mary Schafer and her Quilts mit Gwen Marston 1991 geschrieben)

GAAQG: Glaubst du, dass Stoff mittlerweile ebenso akzeptiert wird wie künstlerische Medien, die dauerhafter sind?
JC: Ich glaube, dass Textilien als Teil des künstlerischen Standardrepertoires akzeptiert werden. Die Welt der Kunst ändert sich aber auf so unterschiedlichen Wegen, auf so vielfältige Weise, dass wir als Textilkünstler rennen und uns schnellstmöglich entwickeln müssen, um damit Schritt halten zu können.

GAAQG: Kannst du uns von deinen Erfahrungen mit der „PBS Craft in America“-Serie erzählen?
JC: Mit „Craft in America“ zusammen zu arbeiten, war ein Traum. Die Produzentin Carol Sauvinion hat mich in meinem Studio in San Francisco besucht und wir haben uns auf Anhieb verstanden. Sie fragte mich, was ich machen würde, wenn ich eine Folge  drehen sollte, und ich sagte ihr, dass ich ein Filmteam nach Gee’s Bend in Alabama mitnehmen würde, um die dortigen Quilter zu besuchen. Die Quilter sind Freunde von mir, sie haben mich schon hier besucht, ich war einige Male bei ihnen.
Also haben wir das gemacht. Danach sind wir zurück nach San Francisco geflogen und haben ein Interview in meinem Studio gedreht. Das war toll. Ich fand den ganzen Prozess klasse und habe dadurch einen ganzen Haufen neuer Freunde gefunden. Ganz klar ein Highlight in meinem Leben.
(Ed.: Schau Dir „PBS Craft in America“ – Folge 5 an: Industry online at PBS oder auf DVD, sehr interessant!)

GAAQG: Was sollen deine SchülerInnen zu deinen Workshops mitbringen, und welche Resultate wünschst du dir für die Workshops hier in Ann Arbor?
JC: Meine Schüler sollten wissen, wie man eine Nähmaschine bedient. Und sie sollen keine Stoffe mitbringen, die zu sehr aufeinander abgestimmt sind. Ich würde mich freuen, wenn die Leute einfach mit der Idee kommen, wirklich alles mit einem Quilt machen zu können, was sie möchten, und dass das Ergebnis dann niemand anderem gefallen muss als ihnen selbst.

GAAQG: Warst du schon mal hier? Hast du Pläne, möchtest du etwas Bestimmtes hier tun, erleben?
JC: Als ich in Flint aufwuchs, war Ann Arbor immer die nächstgelegene Möglichkeit für mich, die Kultur zu erleben, die mich anzog.
Ich fuhr nach A2, um Konzerte zu hören, von der „Free-John-Sinclair-Kundgebung*“ mit John Lennon, Stevie Wonder und vielen anderen, über die Zeiten, in denen ich Boogie Woogie Red im Blind Pig oder die Steve Nardella Band mit meinem Freund Mark Braun am Piano anhörte, bis dahin, als ich selbst im Mr Flood’s Party mit meiner Band The Suttle Brothers auftrat – ich habe Ann Arbor immer geliebt.
*The John Sinclair Freedom Rally war eine Protestaktion und Konzert als Antwort auf die Festnahme John Sinclairs wegen Besitzes von Marihuana am 10.12.1971. Es fand in der Crisler Arena der Universität von Michigan in Ann Arbor statt.

GAAQG: Wohin geht es als nächstes?
JC: Als nächstes bin ich in Lincoln, Nebraska, zum International Quilt Study Center and Museum , um die Antrittsvorlesung zu einem Ausstellung zu halten, der der späten Mary Ghormly gewidmet ist, deren Familie diese Sammlung gestiftet hat. Ich werde einen Workshop machen und einen Vortrag zu meinen Ansichten über historische Quilts halten.
(Ed.: Joe Cunningham Creative Design Workshop Feb. 4, 2017)

GAAQG: Worauf freust du dich?
JC: Nachdem ich die letzten Monate viel unterwegs war, freue ich mich darauf, die nächsten anderthalb Monate in meinem Studio zu verbringen, um mir neue Kurse auszudenken und eine neue Quiltreihe zu beginnen. Außerdem habe ich angefangen, an einem neuen Buch zu arbeiten. Es wird die Geschichten aus den letzten 20 Jahren als Quiltmacher und Bilder von noch unveröffentlichten Quilts enthalten. In Ann Arbor freue ich ich mich besonders darauf, meine Freunde, den Pianisten Mark Braun und das Künstlerpaar John and Candace Pappas, zu treffen.