Stürmisches Michigan

Michigan Wind Storm

Wie aus heiterem Himmel… im Nachbargarten

Das beeindruckendste Geburtstagsgeschenk in diesem Jahr war ganz eindeutig unser Sturm.  So einen Sturm habe ich übrigens noch nie erlebt: stahlblauer Himmel, Hochsommer-Sonnenschein – und links und rechts kippen Bäume um!?  Mein Geburtstagssturm sah unwirklich schön aus. Hat allerdings wirklich schön zugeschlagen. Obwohl die Laubbäume noch kahl sind, haben die Orkanböen unzählige Bäume umgepustet, die zuhauf in die Stromleitungen, auf Autos und Häuser gestürzt sind. Aber nicht nur das, Straßen waren unpassierbar, Ampelanlagen außer Betrieb, in Lansing hat der Wind eine Kirchenmauer um 5 Inch verschoben…

Ich hatte mir am Morgen einen Friseurtermin gegönnt, die Kinder waren schon ganz früh von der Schule zurück, weil sie nur einen halben Tag hatten. Also ging um elf Uhr mein Handy:
„Mama, wir haben keinen Strom“.
„Na und, ist doch hell, und einigermaßen warm. Ich komme gleich zurück und dann fahren wir in die Stadt und …“
„MAAAMAAAA! WIR…! HABEN…! KEIN…! INTERNET…!!!“
Oh Gott, wie kann man nur so begriffsstutzig sein: Strom. Es ging also um Leben und Tod.

Ja, und seither ist der größte Weihnachtswunsch meiner Töchter ein…Generator!
Wir haben ja schon mal öfter Stromausfälle. Das ist in einem Land mit vielen Bäumen, richtigem Wetter und oberirdischen Stromleitungen ja auch nicht weiter verwunderlich. Als am Mittwochmorgen der Strom ausfiel, war das aber schon besonders, genauer gesagt einer der umfassendsten Stromausfälle in Michigan seit Erfindung der Glühbirne, ungefähr. Nachdem der Sturm sich am  Donnerstag gelegt hatte, gab die Energiegesellschaft bekannt, dass sie hofft, rund 90 Prozent der knapp eine Millionen Menschen wieder mit Strom versorgen zu können. Sie hoffen. Neunzig Prozent. Eventuell. Bis zum Wochenende. Oha.

Michigan wind storm

Selbst laublose Laubbäume hat es erwischt

 

Um zu verstehen, was das hier bedeutete:

  • Wir hatten kein Internet! Ich war natürlich mit meinem Handy online, aber das habe ich nicht geteilt, weil ich es ja nur im Auto laden konnte. Ich bin auch noch gemein. Also kein Internet. Sehr schlimm.
  • Kein Licht, nicht so schlimm, es ging auf Vollmond zu und der Himmel war ja wolkenlos gepustet. Und IKEA-Kunden kennen keinen Kerzenmangel. Also eher gemütlich als schlimm.
  • Auch sonst kein Strom. Naja, lästig.
  • Keine Schule. Eine Frage der Perspektive. Die Grundschule hatte auch keinen Strom und war ab Mittwochmittag geschlossen. Unglücklicherweise hatte die Mittelschule Strom. Aber ohne Internet ist zuhause eh langweilig, dann doch lieber Schule. Glücklicherweise hat sich die Kleine dann zum Spielen verabredet, dann war den Tag nicht ganz so lang.
  • Keine Heizung. Klimawandel sei Dank, tagsüber 10 Grad (plus), nachts knapp unter Null. Das Wichtigste: ein Kamin. Und genug Holz in der Garage. Kennst Du Caillou und die Folge, in der ein Schneesturm für einen Stromausfall sorgt und alle im Wohnzimmer vor dem Kamin schlafen? Ich tu immer so, als wäre das nur der Traum meiner Kinder, dass das mal passiert, aber in echt habe ich auch immer davon geträumt. Na, und dann hab ich genau das zum Geburtstag bekommen! War das kuschelig, seufz. Zumindest in der ersten Nacht, als das Haus noch nicht komplett ausgekühlt war, Amerikaner haben’s nicht so mit Isolation (das meine ich jetzt nicht politisch). Die Heizleistung unseres Kamins merkt man am besten 10 bis 50 Zentimeter vom Feuer entfernt, weiter weg ist die Wirkung eher übersichtlich. Ging aber. Nur nachts alle ein bis zwei Stunden Holz nachlegen, damit das Feuer nicht ausgeht, war nicht ganz so romantisch wie bei Caillou.
  • Kein Wasser. Noch nicht mal kaltes. Genau, und keine Toilette. Wir haben einen Brunnen, das Wasser wird mit einer Pumpe hochgepumpt, elektrisch. Blöd, irgendwie.

Am Nachmittag von Tag zwei war ich drauf und dran, einen Generator zu kaufen. Gottlob war der Stromausfall zwar flächendeckend, aber löchrig. Viele Gegenden (inklusive Tankstellen und Geschäfte!) hatten Strom, ihre Nachbarn dann keinen. Der Verkäufer war viel zu nett, um mich auszulachen, aber Grund hätte er gehabt. Bisschen naiv, noch immer über 800.000 Menschen unabsehbar ohne Strom, und Nico denkt: „Geh ich mal in einen Laden im Ohne-Strom-Epizentrum und kauf uns einen Generator!“ Ganz schön gescheit… Also kein Generator.
Wahrscheinlich gibt es in Florida noch welche. Wir fingen langsam an, das Wochenende im Hotel zu planen (falls wir da noch was bekommen hätten…). Die Großen hatten sich für Nacht zwei schon bei Freundinnen einquartiert, weil sie duschen wollten.
Aber am dritten Morgen war dann hier alles wieder gut: Strom, Licht, Wasser, Toilette, Heizung… Danke, Ihr DTE-Leute, die schon während des Sturms ununterbrochen versucht haben, alles möglichst schnell zu flicken.

Den Inhalt des Kühlschranks hatte ich in einer geschlossenen Kiste auf der Terrasse gerettet, die Tiefkühlsachen sind jetzt gegessen oder zwangsentsorgt. Und weil er eh leer war, habe ich einen Kühlschrankputzkoller bekommen und einfach mal aus lauter Freude an Strom und Wasser einen Megafrühlingsputz in der Küche veranstaltet. Das Gute daran ist, dass ich für dieses Jahr genug geputzt habe. Der Nachteil: Ich wollte mich eigentlich endlich für all die lieben Geburtstagswünsche per Schneckenpost, Facebook, WhatsApp, Email, SMS… bedanken! Danke, danke, danke, Ihr Lieben, ich arbeite mich ab morgen alphabetisch durch, ok?

Außerdem haben wir jetzt einen guten Vorrat an Wassergallonen, Papptellern (ich weiß, politisch nicht korrekt, aber spülen ohne Wasser ist auch doof), einen neuen Campingkocher, Gaslampe und jede Menge Gaskartuschen für den nächsten Zeltausflug. Und keinen Generator, ist ja auch noch nicht Weihnachten.
Aber ich scherze hier so vor mich hin, während nur eine Straße weiter der Strom noch nicht wieder da ist, die Generatoren brummen durch die Nacht, die sich mittlerweile auf 12 Grad abgekühlt hat, minus! Jetzt sehe ich den beliebten Michigander Abschiedsgruß mit anderen Augen. Hier sagt man statt „Tschüss“ oder „Mach’s gut“ im Winter eigentlich immer „Stay worm!“

Sherri Lynn Wood

Ich habe ja schon von dem Improv-Workshop mit Sherri Lynn Wood bei der Ann Arbor Quilt Gilde geschrieben. Hier möchte ich noch die kurze Vorstellung nachreichen, die Linda Theil im Oktober geschrieben hat. Hier findest Du das Original!

Sherri Lynn Wood, Greater Ann Arbor Quilt Guild, Improvisational Quilting

Sherrys Vortrag in Ann Arbor

 

Sherri Lynn Wood, eine Künstlerin aus Kalifornien, wird im November 2016 in Ann Arbor zu Gast sein und neben zwei Workshops auch ihre einstündige Präsentation halten: „Improvisiere! Mutig kreieren, quilten und leben.“

Sie sagt:
Musik, Tanz, Theater, Malen, Kochen, Gespräche, Spielen, Kindererziehung, und sogar die Wissenschaft profitieren von der geistigen Beweglichkeit, die der Prozess des Improvisierens hervorbringt.

Wir alle improvisieren, jeden Tag. Die Teilnehmer verlassen meine Workshops mit geänderten Denkweisen, Tipps und neuen Perspektiven, wie sie das Improvisationsgeschick, das sie bisher im Leben erworben haben, beim Patchworken anwenden können – und umgekehrt!

Über ihre Kurse sagt Sherri Lynn:
Die Teilnehmer sollen sich gar keine Gedanken machen. Was immer sie zu meinen Kursen mitbringen: sie werden etwas daraus machen! Es gibt nichts, was man vorbereiten müsste, einfach mit einer offenen und neugierigen Einstellung kommen, das ist wichtig. Ich freue mich auf den Besuch und das Arbeiten in eurer Gruppe.

Sherri Lynn Wood hat gerade einen dreimonatigen Aufenthalt im Künstlerprogramm  artist-in-residence program beim Recycling-Center Recology in San Francisco beendet. Dort hat sie auch in einer Ausstellung mit dem Titel  “Afterlife“ (das kann man mit „Jenseits“ oder „Leben nach dem Tod“ übersetzen) die Werke gezeigt, die während ihrer Zeit dort entstanden sind.

Sie sagt dazu:
Ich bin neugierig auf die zugrundeliegenden Muster in allen möglichen Systemen – Beziehungen, Gemeinschaften, Institutionen, Umgebungen, und auch Bereiche in mir selbst.

Ich sehe im Patchwork ein geschichtsträchtiges Medium, mit dem man die Dynamik der Entstehung von Mustern abbilden kann, und die Einschränkungen, die Systemen innewohnen.

Diese Arbeiten sind auch geprägt von Verpflichtung, sich auf die vorhandenen Ressourcen zu beschränken und mich damit vom Fluch der unbegrenzten Möglichkeiten zu befreien.

Durch die Entscheidung, innerhalb dieser Grenzen zu arbeiten, wurde der Schaffensprozess fließender, überraschend stimmig, und stärkend.

Vorhandene Ressourcen zu benutzen bedeutet nicht einfach nur, ein Problem mit dem zu lösen, was gerade vorhanden ist – was ich extrem befriedigend finde – es hat in mir auch einen teamorientierten, empfänglichen und improvisatorischen Aufmerksamkeits-Rhythmus gefördert, der von Akzeptanz und Respekt dafür gekennzeichnet ist, wie Dinge wirklich sind, und der Raum lässt für alles, was kommen mag, auch für Fehler und Abweichungen von allen bisherigen Plänen.

Das hat meine Fähigkeit gestärkt, die Materialien wirklich wahrzunehmen, zu sehen, und den Schaffensprozess so anzunehmen, wie er sich gerade ergab.

Mein Ziel war es nicht, durch, über oder für die Materialien zu sprechen, sondern in einem Dialog mit ihnen. In den gezeigten Arbeiten habe ich die Einschränkungen der gefundenen Teile, ihre natürlichen Formen und vorhandene Falten, akzeptiert.

Ich habe versucht, präsent zu sein und Zeugnis abzulegen von den einzigartigen und beschädigten Eigenschaften der weggeworfenen Objekte, was ihren Übergang in etwas Neues möglich machte.

Und so stelle ich mir Auferstehung oder dem Leben nach einem Systemzusammenbruch vor. Unsere umgestalteten Muster und Beziehungen werden sich in unserer gemeinsamen Gebrochenheit neu entfalten. Und diese neuen Körper werden befremdlich vertraut und innigst fremd sein, wenn wir gemeinsam im Jenseits aufwachen.

Sherri Lynn Wood wird von Joan Mitchell Foundation Künstler-Förderung unterstützt und war zweimal Mitglied in der MacDowell Colony.

Seit 25 Jahren gehört das Machen und Improvisieren von Quilts zu ihren kreative Lebenspraktiken. Sie blogged über ihre Arbeit auf ihrer Webseite daintytime.net. Gelehrt hat sie unter anderem an der Penland School of Craft, QuiltCon, und bei vielen modernen und traditionellen Gilden in den USA. Während ihres Aufenthalts als residierende Künstlerin bei Recology hat sie mit der Arbeit an ihrem zweiten Buch begonnen. Ihr erstes Buch, „The Improv Handbook For Modern Quilters – A Guide to Creating, Quilting and Living Courageously“ ist bei STC Craft/Abrams im April 2015 erschienen und wurde mehr als 10.000 Mal verkauft.

Mit Quiltern im Schnee

Warum man im Schnee immer eine Quilterin dabei haben sollte

Ich schreib’ mal was von unserer Rückfahrt vom Skiurlaub mit unseren Freunden in den Blue Mountains, Ontario, Kanada, nach Ann Arbor.

Traumwetter, tiefblauer Himmel, Sonne, unglaublich weiß alles. Ein glücklicher Zufall wollte es, dass wir der Navi-Tante nicht so genau zugehört haben und dadurch von der Hauptstraße abgekommen sind. In der Folge reisten wir viele Kilometer (in Kanada gibt es Kilometer, nicht Meilen wie hier :o)!) durch tierverschneite Landschaften, die Straßen unter einer dicken, geschlossenen Schneedecke versteckt. Wir konnten uns kaum sattsehen. Nach energischer Suche fand ich dann mit Hilfe meines Handys einen Quiltladen gleich in der Nähe unserer Route. Also schnell gedreht, noch mal einen Blick auf’s Handy, wo der Laden genau zu finden ist und ab … in den Tiefschnee. Neben der Straße war ein Graben, den man aber durch den Schnee nicht erkennen konnte. Da half auch kein Allrad mehr, das Auto saß auf und rutschte nur noch tiefer ab. Aussteigen ging nur noch „oben“, also alle raus und schieben. Kaum waren wir alle draußen, hielt das erste Auto hält an (besonders gut, denn so viele Autos kommen da nicht vorbei).

Festgefahren

…und schwups- nichts ging mehr. Sieht gar nicht so schlimm aus, oder?

Canadians rock!

Profis am Werk

Ein dicker Pickup, dessen freundlicher Fahrer sofort mit schob und zog. Allerdings ohne jeden Erfolg. Die Kinder hatten sich mittlerweile in einen Quilt (tätääää!) gewickelt, gute Idee bei 11 Grad unter Null. Schwupps, der zweite Pickup hielt auch an. Und dessen Fahrer hatte ein Seil dabei. Brandneu, noch mit einem Kabelbinder gesichert. Schere? Hatte keiner da. Aber nicht verzagen, Quilter fragen! Ich hatte natürlich meine Hexi-Handnähsachen dabei, und die gute Stoffschere (naja, nicht die GANZ gute Gingher aus Deinem Laden, Dorthe, weiteratmen :o)!!!) hat dann den Kabelbinder kleingekriegt.

Kluge Kinder!

Ein Quilt für alle Fälle!

 

Mit dem Seil um die Hinterachse, einigen kraftvollen Anläufen des Pickups auf ziemlich glatter Fahrbahn und vereinten Schiebekräften bewegte sich das Auto dann endlich wieder aus dem Schneehaufen heraus. Yay! Canadians rock!

Und dann ging es doch noch zu Shoreline Quilts in Port Elgin.

Quillt Shoppe Shoreline Quilts in Port Elgin, Lake Huron, Ontario, CA

Quillt Shoppe Shoreline Quilts in Port Elgin, Lake Huron, Ontario, CA

Sehr netter Laden, und eine noch viel nettere Ladnerin zum Quatschen. Sie hat mir erzählt, dass am gleichen Morgen die Straßen, die wir so sehr genossen haben, noch unpassierbar waren. Viel Neuschnee, der durch die Kälte fest überfror, dazu eisiger Wind, der vom Lake Huron hochjagt. Er treibt den Schnee mit Kraft über die Landschaft und sorgt für beeindruckend hohe Schneeverwehungen, das macht Autofahren dann schlicht unmöglich. Ein paar Tage zuvor, als wir nur wenig entfernt fröhlich die Pisten hinuntersausten, waren die Straßen anderthalb Tage lang unpassierbar. Schon beeindruckend. Sie erzählte, dass es es häufig so ist, dass in der ersten Januarwoche wenig geht. Wenn die Schule früh im Januar anfängt, kann man sich darauf einstellen, dass die erste Woche sowieso noch frei ist: Snowdays, die wir auch aus Michigan kennen und unsere Kinder sehr lieben. Berufstätige Eltern weniger.

Als ich nach einer Weile den Laden verließ, war die Sonne weg. Es hatte angefangen zu schneien. Mehr und mehr, nochmal schnell tanken und auf ins Abenteuer. Nach wenigen Minuten war das Fahren eine echte Herausforderung, Whiteout: keine Sicht, alles weiß. Aber wir hatten wieder Glück, nach einer knappen halben Stunde hatte das Wetter genug von der Angeberei und es hörte unvermittelt wieder auf zu schneien. So konnten wir bei langweiligem Rheinland-Wetter entspannt nach Hause fahren.

Unterwegs haben wir dann noch den Rat unserer Freundin Renee befolgt: Wir waren im Black Dog in Bayfield, Ontario, essen. Ein gemütlicher Irish Pub mit einer umwerfenden Karte, nach dem Motto „denk global – iss lokal“.

Black Dog Village Pub & Bistro, Bayfield, Ontario

Black Dog Village Pub & Bistro, Bayfield

 

Unbedingtes Muss war für uns (mal wieder) die kanadische Nationalspeise Poutine: Pommes mit Käse und Bratensauce, das klingt komisch, ist aber lecker. Es gibt Poutine-Buden, die die unzählige Varianten anbieten, mit Pulled Pork, Hühnchen, Gemüse. Varianten mögen die Kanadier scheinbar sowieso, die Chips-Geschmäcker-Auswahl im Supermarkt ist museumsreif: Ketchup, Bratensauce, Hühnchen, Poutine, saure Gurken.

 

Mac & Cheese und Poutine

Yummy – links oben Mac&Cheese, rechts Poutine

Kurioserweise haben wir hier auch das beste Mac&Cheese bekommen. Das ist irgendwie das amerikanische Nationalgericht, kleine Makkaroni-Nudeln, ertränkt in mehr oder weniger künstlicher Käsesauce, sozusagen das amerikanische Pendant zu Miracoli. Es gibt sie in ungefähr zehn Millionen Sorten in Paketen zu kaufen, mit extra Käse, cremigem Käse, ganz cremigem Käse, noch mehr Käse, leichtem Käse….. Diese hier waren so lecker, dass ich zum allerersten Mal seit wir hier sind, den Hype um Mac&Cheese verstanden habe – zum Reinsetzen.

Es gab noch eine köstliche Tagessuppe mit Kürbis und Mais, hervorragende Sandwiches und Burger und ein Kind hatte ein himmlisches vegetarisches indisches Curry.

Black Dogs

Black Dogs, jede Menge!!!

Die Karte folgt also dem globalen Denken, ein buntes Durcheinander, aber wider Erwarten alles wunderbar. Hier kocht jemand, der richtig gerne kocht, ausprobiert und sich einfach nicht auf eine Küchenregion beschränken möchte. Solltest Du also zufällig am Lake Huron in Ontario vorbeikommen, südlich von Goderich findest Du dieses empfehlenswerte Restaurant. Danke, Renee!!!

 

 

Quilting with live music!?

How about a quilt workshop with live music? What, if the musician was a pretty decent quilter, too? Wouldn’t that be nice? It IS nice!

Joe Cunningham mit Gitarre

Joe Cunningham – plays, sings and quilts

 

The Greater Ann Arbor Quilt Guild did it again: They made another great, internationally known artist to visit our little town for a lecture and two all-day workshops.

 

Joe Cunningham

“Winter Twister,” made by Joe Cunningham, 2010, 73 x 69. Photo by Johnny Davis, San Francisco, CA, 2011

 

 

This time, it’s Joe Cunningham, who lives in the Presidio of San Francisco, California. Originally from Flint, Michigan, he had good times as a young musician hanging out in Ann Arbor, so this might be kind of home game for him.

Linda Theil interviewed him in December 2016, find and read it here.

Well, in a nutshell: the workshops turned out to be a real pleasure. I mean, look at that man, risking the brave act of walking into a room full of female, eager to learn quilters, some of them super experienced, daring to be the rooster in the hen party.

But how would you frighten a man who entered the (women’s owned) field of fiber arts as early as 1979, right at the beginning of the big quilting renaissance in the US?

Even if he desperately tried to keep up some authority, he showed a great sense of humor admitting he was just losing it entering our workshop. His wit and humor are really captivating, so there was a lot of laughter throughout the days.

So we generously decided to give him a chance – and that fully paid off! Joe’s very calm way of teaching is astounding. Not by talking so much, but by watching us work, only giving some subtle advice now and then. A small hint here, a gentle decision-support there, always very helpful – that’s what I’d call ‚subliminal’ teaching.

His sense of humor is anything but subliminal, his easy yet cheery nature is both motivating and relaxing. Comments like: ‚I want y’all to be really creative – in exactly the way I dictate!‘ made a lot of laughs mingle with the humming of the sewing machines.

He also declared that if he ever ran for a public office, say, if he ever were elected to be President (note the workshop’s date), the very first thing he’d do in his first hours in office would be to gather all the best engineers in one room, lock it, and never let them out until they had invented the ‚full spool bobbins‘ – never ending bobbin thread, imagine that – what a wonderful promise! I’d sure vote for him, if I could!

He’s a smart guy, no doubt: ‚I make instructions as confusing as possible to make me feel more important and needed!‘ – see, what I mean?

This being said, our Friday instructions sounded kind of disturbingly easy to follow:

„Start with a triangle, add a maximum of 11 more pieces out of up to 4 different fabrics. Go on until you end up with a 24-inch square!“

Should be doable. Actually, it drove me nuts as I worked partly  backwards (I had already a 24-inch edge and tried to get back to the start triangle – NOT a good idea!)

Well, Joe – happily watching us – nailed it: ‚Sewing without knowing.‘

Anyways, he handed out truly good advice: ‚No Y-seams. If you have a problem – cut it off!‘ (oh boy, I could go with this in my daily living…)

Listening to all this, it’s easy to see that Joe is a modern, an improv quilter. Look at what I learned (for my life) in the workshops of the amazing Sherri Lynn Wood here.

I appreciate the relaxed attitude towards perfection and planning. Improv is all about the process and the material, relying on finding the way without a given pattern or having a goal in advance.

Joe said, that even log cabin is more a process than a pattern, as you can re-arrange it all day long.

But – after all – this mighty freedom in designing can be difficult, especially for someone like me who tends to seek security in pattern and kits! Read here about my cheer to the kits of the quilting world.

 

Quilts workshop Joe Cunningham

Friday-Creations – courage to use negative space

 

The pictures of our Friday session show clearly, that some of us were more confident to make use of negative space than I was.

And I should get used to bringing more grown-up fabrics (solids!!!) to modern quilting workshops. My candy-sweet colors look simply silly with these designs, let’s face it.

 

Quilts workshop Joe Cunningham

Too colorful, too much…it’s a learning curve!

 

Joe showed us his idea and technique of sewing bias tape on the quilt top, which easily but effectively adds a lot of different effects: contrast, emphasis, connections, variety… go play with it, you’ll see what I mean.

 

Quilts workshop Joe Cunningham

Here we go!

 

He buys ordinary bias tape, as it is easier to use as the self-made ones. (Go look, maybe there’s some left in the PTO Thrift Shop!)  Start with the raw edge, sew the bias tape in any shape you like onto your quilt top; the smaller the width of the tape, the tighter you can cruise around. Fold the bias tape over and sew again. If you have two finished edges, sew on both sides. Tape too short? Fold loose ends under, fix them, and they are no longer a problem.

 

Quilts workshop Joe Cunningham

Bias tape magic!

 

By the way: Joe’s everyday machine is a 25-year-old Bernina 130, most of the time using his walking foot. He says she’s doing a great job, still he’s always impressed with wonders of machines made in this millennium „This machine feels so much like home, but it’s making so much less sound!?“

 

Quilts workshop Joe Cunningham

Miracles of the millennium!

 

His iron is one of his best friends: „This thing is a steam machine, it can change nature, I mean, it really solves problems.“ Again, I’d like to have this for my daily life, see what else it could straighten out!?

Second workshop, different setting. This time, we got precise instructions (wait, as precise as he can (or wants to) be – Joe said, nobody ever booked him for being an amazing instruction designer. Well, we know the reason why…;o)!)

No, seriously, we got very clear instructions on what to do, even if we didn’t really know what we were doing.

Cut different random-width strips, sew them together, press seams open, cut pieces in the given dimensions, sew them together to make new strips (mind the 1/4 inch seam allowance!), cut again, and finally end up with 6 1/2 inch blocks that you may arrange on your design walls however you like it.

 

About the composition of the blocks: Ideas may come from everywhere, be open! Just lay them out and see, sometimes this can be it! Or create something, like a path, a cross, organize the colors or pattern, turn all background fabrics in the block to the outer edge to create the impression of floating blocks, enhance effects with bias tape…and again: no right or wrong.

 

Quilts workshop Joe Cunningham

Finding the best composition

 

Not surprisingly, all attendees came up with totally different results. At the end of the day, the room felt like a museum, stunning creations on all design walls and the opportunity to talk to the artists – what a great atmosphere.

 

Quilts workshop Joe Cunningham

Like this –

 

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– or that –

 

 

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– more this and that –

 

Quilts workshop Joe Cunningham

… and finally: this is the finished version, made by Joe Cunningham!

 

If you are not happy with traditional binding, watch this: Joe showed us an elegant, yet very easy technique for invisible binding.

Cut four 4-inch-strips, fold them lengthwise, iron in half, attach them on the right side of your quilt sandwich, raw edges alongside outer edges, like you would do for a normal binding. But you don’t go around the whole quilt, only one strip at a time, starting with two opposing sides, from one corner to the next, leaving raw edges at both ends.

Add two more strips to the remaining edges, a bit shorter than the full length of the quilt (app. 1/2 inch less on both ends), center it and sew from one end to the other (sew until the very edge). Trim the corners to avoid big bulges, turn the binding over, hand stitch it on the backside, and you’ll have a neat, supersimple invisible binding.

 

 

He concluded with wise advice: Joe shared his way of folding quilts, that have to accompany him while traveling packed in his suitcases. My grandma used to tell me: „If you want to keep a fabric until it’s old, always use the same fold“ (ok, the German original sounds smarter, but you get it, right?). Now, Joe does quite the opposite. Fold one corner randomly and roughly in direction of the middle (no need to be exact), meet up with the other three corners. Now you have a new rectangle to go on folding normally. This way, you avoid persistent creases.

Willst Du einen Quilt gut erhalten...

Improv-Folding!

 

Want more of him? Sign up for his quilt retreat in Seattle, probably a zinger. He says, the best thing about the retreat is: „I can talk five days long!’ I guess it would be a great time to listen to this kind person five days long!

Or, quoting his friend John Pappas‘ comment on the GAAQG-page:

John Pappas says: (December 8, 2016 at 10:33 am)

Spending time with Joe (whether it’s a workshop, a lecture, or sitting in the woods) is always a pleasure. Looking forward to his Ann Arbor dates.

Quilten mit Livemusik?

Wie wär’s mit einem Quiltworkshop mit Livemusik? Und wenn der Musiker dann auch noch ein richtig guter Quilter wäre? Wäre ziemlich genial, oder? Es IST ziemlich genial!

Joe Cunningham mit Gitarre

Joe Cunningham – spielt, singt und quiltet

Die Quiltgilde von Ann Arbor hat mal wieder einen international renommierten Künstler in unser kuscheliges Örtchen geholt, um uns mit Workshops und Vortrag zu erfreuen.

Joe Cunningham

“Winter Twister,” made by Joe Cunningham, 2010, 73 x 69. Photo by Johnny Davis, San Francisco, CA, 2011

Diesmal ist es Joe Cunningham, der aus Presidio of San Francisco, also aus Kalifornien, angereist ist. Da er ursprünglich aus Flint in Michigan stammt und sich als junger Musiker oft in Ann Arbor herumgetrieben hat, ist es für ihn eine Art Heimspiel.

Linda Theil hat ihn im Dezember 2016 schon mal vorab interviewt, die deutsche Übersetzung findest Du hier, das englische Original hier.

Es ist ja schon eine mutige Sache, sich als Hahn im Korb in einen Raum mit einer Horde lernwilliger, aber teilweise auch sehr erfahrener Quilterinnen zu trauen. Aber einen Mann, der sich schon 1979, also ganz zu Beginn der großen Quilt-Renaissance hier in Amerika, auf das Gebiet der Stoffkunst gewagt hat, kann das wohl nicht erschüttern.

Auch wenn er während der beiden Workshop-Tage wacker um ein bisschen Autorität kämpft, nimmt er deren Nichtexistenz mit viel Humor. Mit sehr viel Humor sogar, wir hatten viel zu lachen.

Und so haben wir ihm freundlich eine Chance gegeben – und das hat sich voll ausgezahlt. Joes unaufgeregte Art zu lehren ist erstaunlich. Er sagt gar nicht viel, lässt uns machen und gibt nur hier und da ein paar dezente Hinweise. Ein kleiner Stupps hier, eine kurze Entscheidungshilfe da, aber immer sehr hilfreich – ich würde das jetzt mal ‚unterschwellig’ nennen.

Sein Sinn für Humor ist jedoch kein bisschen unterschwellig, er hat eine ruhige, beschwingte Art, die gleichzeitig motiviert und entspannt. Wenn er ab und zu einen Kommentar wie „Ich möchte, dass ihr jetzt alle wahnsinnig kreativ seid. Und zwar in exakt der Weise, wie ich es Euch vorschreibe!“  in den Raum wirft, mischen sich die Lacher zwischen das Rattern der Nähmaschinen.

Ganz zu Beginn stellt er klar, dass er jetzt wohl auch für irgendein öffentliches Amt kandidieren werde. Und noch am Tag seiner Amtseinführung (es war der Workshop am 20. Januar…) würde er per Dekret all die genialen Ingenieure aus Kalifornien in einen Raum einschließen und ihnen sagen, dass sie nicht eher wieder rauskommen, bevor sie nicht die „full spool bobbins“ erfunden hätten. OK, Endlosbobbins, stell Dir vor, nie wieder der blöde Unterfaden mittendrin zu Ende, herrlich, meine Stimme – dürfte ich denn hier wählen – hätte er sicher. Sehr patent, der Mann.

Auch seine Strategie, seine Instruktionen so kompliziert und undurchsichtig wie nur möglich zu machen, hat System: er möchte sich einfach gebraucht fühlen. Macht Sinn!

 

Am Freitag klang unsere Aufgabe dann auch erstmal verstörend einfach für mich:

„Beginnt mit einem Dreieck, fügt diesem Dreieck maximal 11 weitere Stoffstücke aus maximal 4 unterschiedlichen Stoffen hinzu, bis ihr ein 24-Inch-Quadrat habt.“

Klingt erstmal übersichtlich. Hat mich dann aber sehr viel Hirnschmalz gekostet, weil ich teilweise rückwärts gearbeitet habe (hatte schon eine 24 Inch lange Seite, von der ich mich dann in Dreieckschritten zurück zu dem Ausgangsdreieck tasten wollte – KEINE gute Idee)

Naja, Joe hat dann unser Treiben auch – immer fröhlich vor sich hinkichernd – auf den Punkt gebracht: „Sewing without knowing“

Immerhin, einen guten Rat hat er uns mit auf den Weg gegeben: Keine Y-Nähte! Wenn Du ein Problem hast: Schneid es ab! Mensch, das möchte ich gerne mal im Alltag ausprobieren, klingt zu gut!

Man merkt schon, dass wir es hier mit einem modernen bzw. Improv-Quilter zu tun haben. Schau Dir an, was ich bei Sherri Lynn Woods Workshop (für’s Leben) gelernt hab und lies auch meine deutsche Übersetzung ihres Interviews mit der Quilt-Gilde hier.

Mir gefällt der entspannte Umgang mit Perfektion und Planung sehr. Hier geht es darum, sich auf einen Prozess und das Material einzulassen und darauf zu vertrauen, dass es gut wird. Joe meinte auch, dass Log Cabin eigentlich eher ein Prozess als ein Schnittmuster ist, weil man den ganzen Tag mit Hin- und Herschieben verbringen kann. Allerdings ist das freie Designen auch alles andere als einfach, zumindest für mich, die sich sehr gerne hinter Anleitungen und Kits versteckt.

Quilts workshop Joe Cunningham

Kreationen aus dem Freitagsworkshop – mit zum Raum

Die Bilder von Freitag zeigen, dass manche mehr Mut haben als ich, ganz besonders, was den Umgang mit negativem Raum angeht. Und ich muss mir mal angewöhnen, zu modernen Workshops erwachsenere Stoffe und Farben (uni!!!) mitzunehmen, mit meinem Quietischi-Kram sieht das zu albern aus.

Quilts workshop Joe Cunningham

Zu bunt, zu durcheinander… aber ich lerne durch jeden mißratenen Versuch!

Von Joe haben wir an diesem Tag auch noch eine erstaunlich einfache wie effektive Methode gelernt, auf dem Quilttop mit Schrägband Kontraste, Verbindungen, Abwechslung, Betonung einzelner Bereiche… zu erzeugen. Spiel einfach damit, Du wirst sehen, was ich meine.

Quilts workshop Joe Cunningham

Tataaaaa, so einfach geht’s!

Er nimmt gerne ganz normales Schrägband, das er fertig kauft (die Bastelabteilung in unserem Secondhandladen ist jetzt leergekauft, wir waren alle da) und beginnt (sofern vorhanden) mit der Schnittkante. Näh sie einfach auf den Stoff, so, wie es Dir gefällt. Mach Formen, Wege, Zeichen – alles ist möglich. Je schmaler das Schrägband, desto enger kannst Du herumkurven. Band zu kurz? Die Enden entweder im Außenrand verschwinden lassen oder unterfalten. Dann wird das Schrägband in der Mitte gefaltet und die andere Seite festgenäht. Fertig.

Quilts workshop Joe Cunningham

Zaubern mit Schrägband!

Nebenbei: Joes Alltagsmaschine ist eine 25 Jahre alte Bernina 130 und er benutzt mehr oder weniger immer den (irgendwie sperrigen) Obertransportfuß. Er sagt, sein Maschinchen schnurrt immer noch tadellos, aber wenn er mit einer unserer neueren Maschinen nähte, kann er nicht umhin, sich von den „Wundern dieses Jahrtausends“ schwer beeindruckt zu zeigen. „Diese (neuere Bernina-) Maschine fühlt sich an wie zuhause, aber sie klingt sooo viel leiser…“

Quilts workshop Joe Cunningham

Der Zauber der 21. Jahrhunderts!

Sein Bügeleisen ist übrigens einer seiner besten Freunde: „Das Ding ist eine Dampfmaschine, es kann die Natur verändern, also, richtige Probleme lösen!“ Auch das würde ich mir mal gerne für meinen Alltag ausleihen, mal sehen, was man damit noch so alles geradebügeln kann.

 

Der zweite Workshop war ein ganz anderer: Hier hatten wir eine sehr präzise Anleitung (also, so präzise, wie er nunmal kann und will, denn er sagt, es habe ihn noch nie jemand gebucht, weil seine Fähigkeit, Anleitungen zu schreiben, so außergewöhnlich gut seien. Wir wissen ja auch, warum er sie kompliziert macht ;o))

Nein, im Ernst, wir hatten sehr klare Vorgaben, was wir tun sollten, auch wenn wir nicht ganz genau wussten, was wir da eigentlich machen.

Zufällige Streifen zusammennähen, wieder in vorgegebene Stücke auseinander schneiden, verdreht wieder zusammennähen, dann wieder in der gleichen vorgegebenen Stückelung auseinander schneiden, immer schön auf die 1/4in-Nahtzugabe achten, um dann endlich mit 61/2 Inch Blöcken zu enden. Diese konnten wir dann an unseren Designwänden arrangieren, wie wir lustig waren.

Zur Komposition der Blöcke sagt Joe, dass wir einfach offen für Ideen sein sollten. Manchmal passiert es, dass man die Böcke ohne Plan nebeneinander legt, und das Resultat klasse aussieht. Man kann die Blöcke so drehen, dass immer die Stücke mit dem Hintergrundstoff nach außen zeigen und so den Eindruck erwecken, dass die anderen Farben schweben. Man kann versuchen, mit den Stoffen Formen, zum Beispiel ein Kreuz oder einen Weg, zu bilden und diesen Effekt auch noch mit den Schrägbändern verstärken. Und wie immer: Es gibt kein richtig oder falsch.

Quilts workshop Joe Cunningham

Ja, wie ist es am schönsten?

Und wieder hatten alle Teilnehmerinnen völlig unterschiedliche Ergebnisse, zum Schluss wirkte der Workshopraum wie ein Museum, in dem man die Werke betrachten und gleichzeitig mit den Künstlerinnen reden konnte, sehr spannend.

Quilts workshop Joe Cunningham

So –

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– und so –

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– oder so und so –

Quilts workshop Joe Cunningham

… und so sieht das Ganze fertig gequiltet bei Joe Cunningham aus!

 

Wer mit dem traditionellen Binding nicht so richtig glücklich ist, für den hat Joe auch noch eine sehr elegante, weil einfache Lösung.

Er näht 4 Inch breite, längs gefaltete Streifen wie bei einem normalen Binding auf die Vorderseite des Quilts, Schnittkanten entlang der Außenkante, schöne Seite beim Falten außen. Diese Streifen laufen aber nicht rundherum, sondern sind nur so lang wie die Seiten und enden einfach unversäubert an den Seitenenden. Er beginnt mit zwei gegenüberliegenden Seiten. Auf die beiden anderen Seiten näht er ebenfalls diese Streifen, aber beidseits etwas (ca. 1/2 Inch) kürzer als der Quilt. Er näht sie (bis ganz zur Außenkante) fest, beschneidet die Ecken, um dicke Knubbel zu vermeiden, schlägt alles nach hinten um und muss dann nur noch den so entstandenen Rahmen auf der Rückseite mit der Hand annähen. Von vorne endet der Quilt so nun rahmenlos.

 

Und zum Abschluss hatte Joe noch einen guten Tipp auf Lager. Er hat uns gezeigt, wie er seine Quilts faltet, die ja wochenlang in seinen Koffern reisen müssen. Entgegen dem Spruch, den ich Dank meiner Oma tief verinnerlicht habe: „Willst du einen Stoff gut erhalten, so leg ihn stets in die gleichen Falten!“,  macht es Joe genau umgekehrt. Er knickt eine Ecke diagonal, aber willkürlich und schräg, in Richtung (aber nicht genau bis zur) Mitte, die anderen drei Ecken treffen dann bei der ersten Ecke zusammen. So entsteht bei jedem neuen Falten ein anderes Rechteck, das man dann normal weiter faltet, und die hartnäckigen Liegekanten werden vermieden.

Willst Du einen Quilt gut erhalten...

Alternatives Improv-Falten!

 

Wer mehr von Joe Cunningham haben möchte, kann sich für seine zweimal jährlich stattfindenden Quilt-Retreats in Seattle anmelden, die wahrscheinlich ein Knaller sind. Er selbst sagt, das Beste daran ist, dass er 5 Tage am Stück reden darf. Es ist mit Sicherheit auch sehr vergnüglich, diesem netten Menschen 5 Tage am Stück zuzuhören. Oder, wie es sein Freund John Pappas als Kommentar auf der Quilt-Gilde-Webseite geschrieben hat:

John Pappas says:

December 8, 2016 at 10:33 am

Spending time with Joe (whether it’s a workshop, a lecture, or sitting in the woods) is always a pleasure. Looking forward to his Ann Arbor dates.

 

Interview mit Joe Cunningham

Linda Theil von der Greater Ann Arbor Quilt Gilde (GAAQG) hat dieses Interview mit dem Quiltkünstler Joe Cunningham anlässlich seines Besuchs in Ann Arbor zum GAAQG Quilt Day im Januar 2017 am 4. Dezember 2016 geführt. Hier findest Du das englische Original!

Neben dem Vortrag beim Quiltday hat er auch in zwei ganztägigen Workshops auf dem Campus des Washtenaw Community Colleges unterrichtet. Hier kannst Du lesen, was wir dort erlebt und gelernt haben!

Mit ausdrücklicher und sehr freundlicher Erlaubnis (VIELEN DANK DAFÜR!!!!) übersetze ich es hier, damit Du es leichter lesen kannst.

Joe Cunningham

“Winter Twister,” made by Joe Cunningham, 2010, 73 x 69. Photo by Johnny Davis, San Francisco, CA, 2011

Joe Cunningham ist ein weltbekannter Künstler, der seit 1979 professionell Quilts macht. Er lebt im Presidio von San Francisco, nur wenige hundert Meter von der Golden Gate Bridge entfernt.

GAAQG: Auf deiner Internetseite steht, dass du Musiker warst, bevor du Quilter wurdest. Welches Instrument und welchen Musikstil hast du gespielt?

JC: Ich habe als Allround-Gitarrist in den Nachtclubs von Michigan gespielt seit ich 15 war. Größtenteils habe ich als Rockgitarrist in und um Flint* gearbeitet. Aber ich bin nie mit irgendeiner Berühmtheit aufgetreten.                                                    (* Michigan)

GAAQG: Denkst du, dass deine Textilkunst von dieser Zeit als Musiker beeinflusst wird?
JC: Ich denke, dass die tiefere Auseinandersetzung mit jeder Art von Kunst deine künstlerische Vorstellungskraft bereichert und aufzeigt, was alles möglich ist. Ein Musiker zu sein hat mich vor allem gelehrt, offen für Improvisationen zu sein – weil das manchmal der einzige Weg ist, dahin zu kommen, wo du hinmöchtest.

GAAQG: Hast du eine Meinung zu den Spannungen zwischen dem sogenannten Modern Quilting und dem traditionellen Quilting?
JC: Also diese Spannung zwischen den beiden Lesarten – ich sehe sie gar nicht als grundlegend verschieden an. Sowohl das traditionelle als auch das moderne Quilten basieren auf der Ästhetik eines anderen. Ich will damit sagen, dass unsere Interpretation dessen, was wir „traditionell“ nennen, auf der Interpretation jemand anderen basiert, der einige Quilts aus dem neunzehnten Jahrhundert studiert hat.
Ich wünschte, jedeR würde diese Quilts aus dem Zusammenhang genommen betrachten und selbst urteilen, was er oder sie als „traditionell“ empfindet.
Das moderne Quiltdesign, das auf den Lehren und Stilen einiger weniger Quiltkünstler beruht, wirkt der Entwicklung eines persönlichen Stils entgegen, aber gerade das ist es, was mir besonders am Herzen liegt. Ich möchte die Leute dazu bringen, Arbeiten hervorzubringen, die ihre Individualität widerspiegeln, nicht Arbeiten, deren einziges Ziel es ist, die Regeln oder Vorgaben eines anderen zu erfüllen.
Das, was ich in der Welt des Quiltens suche, ist Anarchie, genau wie das, was ich in den Arbeiten der Frauen des 19. Jahrhunderts gesehen habe: nichts, das aussieht wie die Idee eines anderen, wie ein Quilt aussehen sollte. Das Gute am „modernen“ Quilt-Machen ist meiner Ansicht nach, dass es dem Quiltdesign das folkloristische „Country“-Element genommen hat, so dass es auch für jüngere Leute okay ist, sich dafür zu interessieren.

GAAQG: Wer hat dich zu Beginn beeinflusst?
JC: Mary Schafer und ihr Kreis in Flint und Flushing haben mich anfangs stark beeinflusst. Mary hat mir klargemacht, dass ich ein Quilthistoriker werden sollte, ein Quiltgelehrter, ein Künstler und Quiltkonstrukteur, und dass ich alte Quilts kopieren muss, um sie so richtig zu verstehen.
(Ed.: Cunningham hat Mary Schafer and her Quilts mit Gwen Marston 1991 geschrieben)

GAAQG: Glaubst du, dass Stoff mittlerweile ebenso akzeptiert wird wie künstlerische Medien, die dauerhafter sind?
JC: Ich glaube, dass Textilien als Teil des künstlerischen Standardrepertoires akzeptiert werden. Die Welt der Kunst ändert sich aber auf so unterschiedlichen Wegen, auf so vielfältige Weise, dass wir als Textilkünstler rennen und uns schnellstmöglich entwickeln müssen, um damit Schritt halten zu können.

GAAQG: Kannst du uns von deinen Erfahrungen mit der „PBS Craft in America“-Serie erzählen?
JC: Mit „Craft in America“ zusammen zu arbeiten, war ein Traum. Die Produzentin Carol Sauvinion hat mich in meinem Studio in San Francisco besucht und wir haben uns auf Anhieb verstanden. Sie fragte mich, was ich machen würde, wenn ich eine Folge  drehen sollte, und ich sagte ihr, dass ich ein Filmteam nach Gee’s Bend in Alabama mitnehmen würde, um die dortigen Quilter zu besuchen. Die Quilter sind Freunde von mir, sie haben mich schon hier besucht, ich war einige Male bei ihnen.
Also haben wir das gemacht. Danach sind wir zurück nach San Francisco geflogen und haben ein Interview in meinem Studio gedreht. Das war toll. Ich fand den ganzen Prozess klasse und habe dadurch einen ganzen Haufen neuer Freunde gefunden. Ganz klar ein Highlight in meinem Leben.
(Ed.: Schau Dir „PBS Craft in America“ – Folge 5 an: Industry online at PBS oder auf DVD, sehr interessant!)

GAAQG: Was sollen deine SchülerInnen zu deinen Workshops mitbringen, und welche Resultate wünschst du dir für die Workshops hier in Ann Arbor?
JC: Meine Schüler sollten wissen, wie man eine Nähmaschine bedient. Und sie sollen keine Stoffe mitbringen, die zu sehr aufeinander abgestimmt sind. Ich würde mich freuen, wenn die Leute einfach mit der Idee kommen, wirklich alles mit einem Quilt machen zu können, was sie möchten, und dass das Ergebnis dann niemand anderem gefallen muss als ihnen selbst.

GAAQG: Warst du schon mal hier? Hast du Pläne, möchtest du etwas Bestimmtes hier tun, erleben?
JC: Als ich in Flint aufwuchs, war Ann Arbor immer die nächstgelegene Möglichkeit für mich, die Kultur zu erleben, die mich anzog.
Ich fuhr nach A2, um Konzerte zu hören, von der „Free-John-Sinclair-Kundgebung*“ mit John Lennon, Stevie Wonder und vielen anderen, über die Zeiten, in denen ich Boogie Woogie Red im Blind Pig oder die Steve Nardella Band mit meinem Freund Mark Braun am Piano anhörte, bis dahin, als ich selbst im Mr Flood’s Party mit meiner Band The Suttle Brothers auftrat – ich habe Ann Arbor immer geliebt.
*The John Sinclair Freedom Rally war eine Protestaktion und Konzert als Antwort auf die Festnahme John Sinclairs wegen Besitzes von Marihuana am 10.12.1971. Es fand in der Crisler Arena der Universität von Michigan in Ann Arbor statt.

GAAQG: Wohin geht es als nächstes?
JC: Als nächstes bin ich in Lincoln, Nebraska, zum International Quilt Study Center and Museum , um die Antrittsvorlesung zu einem Ausstellung zu halten, der der späten Mary Ghormly gewidmet ist, deren Familie diese Sammlung gestiftet hat. Ich werde einen Workshop machen und einen Vortrag zu meinen Ansichten über historische Quilts halten.
(Ed.: Joe Cunningham Creative Design Workshop Feb. 4, 2017)

GAAQG: Worauf freust du dich?
JC: Nachdem ich die letzten Monate viel unterwegs war, freue ich mich darauf, die nächsten anderthalb Monate in meinem Studio zu verbringen, um mir neue Kurse auszudenken und eine neue Quiltreihe zu beginnen. Außerdem habe ich angefangen, an einem neuen Buch zu arbeiten. Es wird die Geschichten aus den letzten 20 Jahren als Quiltmacher und Bilder von noch unveröffentlichten Quilts enthalten. In Ann Arbor freue ich ich mich besonders darauf, meine Freunde, den Pianisten Mark Braun und das Künstlerpaar John and Candace Pappas, zu treffen.

Whoopee – You are here to make a lot of mistakes! English version

or: Celebrating mistakes 

Today’s post is about two workshops I took: „Get your Wedge Curve on“ und „Bias Strip Curves“ with Sherri Lynn Wood.

The Greater Ann Arbor Quilt Gilde offers a bimonthly quilt weekend at Washtenaw Community College. Teachers from all over the country are invited and holding workshops Fridays and Sundays. Saturday is for the guild meeting, show-and-tell, sharing news, come together, donating quilts for the SafeHouse, some small demos, vendors sometimes, a lecture… Some weekends even bring some special events like a garage sale or charity fabric sale.
A lot of reasons not to miss a quilt weekend!

My very first contact with Improv Quilting will be a lasting one. Boy, was I impressed by this new (at least to me) kind of thinking – and way more than only concerning the quilting.

Difficult sewing situations bring up a new feeling for patchworking, fabric and possibilities.

Is that so? Ah!?!?

I kind of felt quite odd attending a class that aims to make the fellow attendees produce as many mistakes as possible??? To learn from them. Why this way? I guess my frustration tolerance level hasn’t reached the American average as yet.

It became even worse when asked about their quilting experience, quite all of the attendees raised their hands at “more than 20 years”, except me. There wasn’t a category “less than 2 years”… Well, I start having the feeling that quilting is a thing babies are taught in their first months of life, like in baby bees, diaper piecing, or toddler quilting groups.

Sherri Lynn Wood

Sherri Lynn Wood, Greater Ann Arbor Quilt Guild, Improvisational Quilting

Sherri’s lecture in Ann Arbor

Sherri Lynn Wood is an artist from California. Go visit her site daintytime.net and find out some of her amazing projects, I like the one working with all recycled materials. Best of all (for me…) is her book, ‘The Improv Handbook for Modern Quilters’. I love that book, because it’s bursting with great ideas, step-by-step instructions and beautiful pictures of her art.

The Improv Handbook for Modern Quilter von Sherri Lynn Wood Greater Ann Arbor Quilt Guild, Improvisational Quilting

The Improv Handbook for Modern Quilter by Sherri Lynn Wood

 

She started quilting at a young age and found her biggest inspiration through an exhibition of African-American quilts. Hearing her saying that, I totally knew what she was talking about. In April 2016, I went to my very first quilt exhibition at the Flint Institute of Arts where I got in contact with African-american quilts for the first time ever. What a zinger! Read this here before you go on with this post, please!

African-American women showed us how, we may follow: IMPROVISATON. Did you read it here? Good, then let’s go on, less politics and psycho-schmycho, more quilting and improv. And Sherri is a wonderful, humble guide to show you how!

I just try to catch a few thoughts about improvisation:

Do what you want to.

Cherish decisions.

Don’t plan the result but enjoy the process, react, adjust and be creative.

Trust yourself.

Seek uncommon paths. Or find new paths.

Don’t aim at perfection, embrace surprises.

Be brave, take risks (ok, we’re still quilting here, risks may be not so much life-threatening, but anyways, I think you get it right!).

Don’t rely on given patterns.

Listen to your inner voice.

Live!

Follow your intuition.

Have the guts.

Strive for serenity and self-confidence.

Celebrate mistakes.

Find your own voice.

Have fun!

I know, I know – I tend to see things through my esoteric-colored glasses, but I really see the link. But I have been hooked since I sat there, my eyes glued to Sherri’s lips. There’s so much truth in this, and so much motivation and encouragement. I mean, who lives the life he/she planned at graduation? See!?

Sherri’s message for the day: If you can think it, try it. Get rid of the that’s-just-not-done-(by a girl)-thoughts!
Well, yes, might be my pleasure. Off we go. Dare!
Officially, this workshop is about sewing curves…

Sherri tells us about Gee’s Bend class she took. The teacher gave only one instruction: “Ok, start sewing!” (This being said, Sherri gave way more instructions, don’t worry!)

But relying on the fact that mistakes most often lead to interesting effects, create new ideas and change the direction of your work, makes life, sorry, sewing easier.

First thing she sent us on a journey to ourselves. She centered us with a short meditation, which was super helpful to concentrate and forget the everyday world.

While starting the sewing, she forced us not to plan the finished product. And yep, some of us needed some friendly reminder that we really – that means really!!! – didn’t need a plan. Let loose! And get lost! Only one step at a time! Don’t worry about being wrong. These are your decisions, they don’t need to meet any goal and that’s why they cannot be wrong. This attitude helps a lot. Like: make your enemy a friend. A big bubble right in the middle of the fabric can ease the decision to cut that precious fabric finally into pieces :o).

And so she just made us do! ‚Cut strips and sew them together. Make them (some more, some less) wedge-shaped, and you’ll get nice fans. Repeat after me: No finished result in your head right now, just follow your instinct and watch what is happening. Act, react and be creative. Enjoy the process!‘

Sherri Lynn Wood, Improvisational quilt ann arbor quilt guild

Cut wedge-shaped strips

 

After doing some fans, Sherri asked us to combine them, play with them. ‚Don’t be afraid of cutting them, there will be a new perspective.‘

Sherri Lynn Wood, Improvisational quilt ann arbor quilt guild

… and do!

 

Well. And so it went on and on, we created, tried, developed ideas, rejected ideas, had more ideas… what a very busy workshop.

Sherri Lynn Wood, Improvisational quilt ann arbor quilt guild

Bias Strip Curves…

Workshop? Oh, curves, yes, I signed up hoping to learn how to sew curves, right? And yes, I happened to do so. Sherri showed us, but more than that: She is a living almanac for all kinds of stupid things that can possibly go wrong. You got stuck, had a bubble, huge darts, sewed together a terrible mess? Go ask Sherri! She stays calm and helps on while all other attendees join you eagerly at her front desk to hear her solution, too.

Sherri Lynn Wood, Improvisational quilt ann arbor quilt guild

That’s how it looks like when Sherri does bias and curves and…

 

One of her most often cited great proverbs is ‘happiness is a place between too much and too much.’ Seriously, I could not have too much of her workshop. But when it ended, I left the room full of inspiration, motivation and in a very special mood.

And I took another good thing home:
The “Yes, and…”
If you answer your upcoming problems or questions with “yes, and…,” you’ll find a solution. Don’t think “yes, but…,” !
Think about this: There two kinds of similar sounding‚ yeses. Imagine calling a friend to ask to go out for dinner. Do you have friends that reply: “Oh, thank you for calling. Yes, but…” Can you feel it? This ‘but’ will be followed by doubts, concerns, hesitation blablabla. You’ll most probably end up going alone.
What if your friend said “Oh, thank you for calling. Yes, and…?” “…and I know which place we should go to.” “…and we could ask x and y to join us.” “…and we could meet earlier and do some shopping together” and so on and so forth.  Which buddy do you prefer to call?

I decided to be a “yes, and-buddy.” Thank you, Sherri, for sharing this thought.
Oh, yes, and I am almost good in sewing curves!